| 13 Fahrradtage | 1175 km | 10539 hm | 77 km doppelt gefahren |

Aus Salt Lake City herauszufahren war um einiges angenehmer als aus der letzten großen Stadt. Die ersten 40 km verbrachten wir fast ausschließlich auf Radwegen! Wir kamen erst relativ spät los und es war dunkel, bis wir an unserem angedachten Übernachtungsort ankamen. Ein großer Park mit integriertem Campingplatz – leider muss der innerhalb der letzten paar Tage in Winterpause gegangen sein. Alles war dunkel, eingezäunt und abgeschlossen. Wir wollten nicht im Dunkeln auf dem Highway weiterfahren und schlugen unser Zelt einfach direkt vor dem Park auf. Die Straße war eine Sackgasse und es kam tatsächlich die ganze Nacht niemand vorbei. Wir sind natürlich nicht davon ausgegangen, dass der Park schon geschlossen ist und hatten dementsprechend nur noch wenig Wasser übrig. Wir verzichteten auf unser übliches Pasta-Abendessen und aßen stattdessen Brot mit Aufstrich.
Den nächsten Tag starteten wir ohne unser Müsli, denn auch dafür braucht es relativ viel Wasser. Es ging etwa 30 km bergauf bis zur nächsten Raststätte mit Wasserhahn – immerhin war es nicht zu heiß! Nach etwa 20 km fanden wir zwei Wasserflaschen auf der Leitplanke. Irgendjemand muss die für uns dort hingestellt haben, denn mit dem Wind können die noch nicht lange dort gewesen sein. So lieb! Bei der Raststätte füllten wir unsere Flaschen (mit leider sehr nach Schwefel riechendem Wasser) und machten uns endlich richtiges Frühstück. Wir trafen Tristan und Martin, zwei andere Reisende auf dem Rad, die ebenfalls in Kanada bzw. Alaska angefangen hatten.
Sebi und ich fuhren weiter und aus dem Nichts fing es an zu hageln. Zusätzlich blitzte und donnerte es quasi gleichzeitig. Gar nicht cool, und wenn man keine Gewitter mag, noch weniger cool. Wir schafften es zu einer Tankstelle oben auf dem Pass, klitschnass und frierend. Der Hagel war mittlerweile mehr Regen. Mit heißer Schokolade und Tee versuchten wir, uns aufzuwärmen, bevor wir uns an die Abfahrt machten. Wir zogen noch mehr Kleidung an, da es nur ein paar wenige Grad warm war und fuhren in den Regen. Wir wurden von einem weiteren Gewitter überrascht und es fing wieder an zu hageln. Eine unserer kältesten Abfahrten bis jetzt und wir waren froh, als der Himmel endlich heller wurde und wir die letzten paar Kilometer ohne Niederschlag und sogar mit ein paar Sonnenstrahlen genießen konnten. Wir fuhren zum erstbesten Campingplatz und freuten uns sehr über die warme Dusche. Natürlich hatten wir den ganzen Tag kein einziges Foto gemacht…

Am nächsten Tag war das Wetter um einiges besser und wir fuhren Richtung Green River. Beim Mittagessen holten Martin und Tristan uns ein und wir verbrachten den Rest der Pause zusammen. Danach ging es fast nur noch bergab und wir genossen den Rückenwind auf einer teilweise frisch geteerten Straße. Für die letzten Kilometer bogen wir auf eine Schotterstraße ab, um nicht auf der Interstate fahren zu müssen. Alles hier sah so cool aus und die Landschaft war schon sehr nah an Wüste. Wir waren endlich aus Bärengebiet draußen und zum ersten Mal auf der ganzen Reise aßen wir IM ZELT. Was ein Erlebnis!






Auf einem ehemaligen Highway und wunderschönen Schotterstraßen fuhren wir Richtung Arches Nationalpark. Wir zelteten in der Nähe von einem Nebeneingang zum Park und konnten am nächsten Morgen im Sonnenaufgang auf der echt schönen Straße in den Arches Park fahren. Wir hielten an einem Campingplatz zum Wasser auffüllen.
Am Tag zuvor hatten wir eine Hose von einem anderen Radfahrer gefunden und gaben die noch am Campingplatz ab, damit er die ein paar Tage später dort abholen konnte. Es ist immer gut, mit Fahrradfahrenden in Kontakt zu sein, die etwa die gleiche Route zur etwa gleichen Zeit fahren – sei es für Routeninspiration oder für kleine Dinge wie das.




Auf einmal sah die Landschaft um uns herum so aus, wie wir es erwartet hatten, vielleicht sogar noch schöner. Roter Sand, rote Steine und überall coole Felsformationen. Das Wetter war richtig gut und der Verkehr auf der Straße durch den Park noch aushaltbar. Wir fuhren von Norden nach Süden durch den Park und hielten hier und da bei einem Aussichtspunkt. Leider hatten wir keine Zeit für längere Wanderungen, aber das meiste konnte man schon vom Parkplatz oder nach ein paar wenigen Minuten laufen gut sehen. Der Double Arch war wirklich beeindruckend und hier verbrachten wir einige Zeit mit Leute beobachten und Fotos machen. Wir verließen den Park und füllten unsere Wasservorräte beim Besucherzentrum. Eine der vielen Situationen, in denen wir froh darum waren, dass bei den meisten Besucherzentren die Toiletten und Trinkwasserhähne auch nach den Öffnungszeiten noch zugänglich sind. Wir fuhren noch bis Sonnenuntergang auf einem schönen Radweg und zelteten dann neben ein paar anderen Campern auf einem Schotterparkplatz neben einer Kreuzung.








Wir standen früh auf und fuhren zum Frühstücken zur Tankstelle gegenüber, denn dort gab es Toiletten und Picknicktische. Nach dem Frühstück fuhren wir zum Utahraptor State Park und ein paar sandige Kilometer später kamen wir an – wir standen vor echten Dinosaurierspuren, etwa 165 Millionen Jahre alt! Und das an einem der wenige Orte, wo die Spuren komplett zugänglich sind und wir konnten einfach daneben laufen und so viele Fotos machen, wie wir wollten.


Wir fuhren zurück zur Tankstelle und hielten bei einem Café, um uns Sandwiches fürs Mittagessen mitzunehmen. Viel Essen hatten wir nämlich nicht mehr und der nächste Supermarkt war noch zwei Tage entfernt. Wir ließen all unsere Snacks am Rad, denn wir mussten uns ja keine Sorgen mehr wegen Bären machen. Als wir zurückkamen zu unseren Rädern, stellten wir leicht schockiert und amüsiert fest, dass wir stattdessen von Krähen ausgeraubt wurden!
Von dort aus ging es zum Deadhorse Point State Park. Die ganze Moab Region in Utah ist ein Mountainbike-Paradies und wir haben noch nie zuvor so viele andere Radfahrende auf der Straße gesehen. Es war ein langer und gleichmäßiger Anstieg und es war Nachmittag, bis wir den Aussichtspunkt am Deadhorse Point erreichen. Mit so vielen schönen Orten in den USA mussten wir Prioritäten setzen, wo wir hingehen möchten und wir wussten, dass wir es höchstwahrscheinlich nicht zum Grand Canyon schaffen werden. Der Canyon am Deadhorse Point ist zwar kleiner, aber auch sehr beeindruckend und wir bereuten es nicht, den Umweg auf uns genommen zu haben. Wir fuhren 22 km zurück in die Richtung, aus der wir gekommen waren und bogen auf eine Schotterstraße ab. Etwa eine halbe Stunde später wurde es dunkel und wir zelteten irgendwo neben der Straße.





Die Schotterstraße brachte uns zurück nach Green River und wir konnten endlich wieder einkaufen. Sebi hatte von hier aus noch mehr alte Highways und Schotterstraßen eingeplant und wir genossen die Zeit mit wenig Verkehr und weiteren Nächte irgendwo im Nirgendwo. Die Landschaft war weit und offen und manchmal fühlten wir uns fast wie auf einem anderen Planeten, so cool!





Der Hauptgrund, warum wir einen Loop zurück nach Green River gemacht haben, ist der Goblin Valley State Park. Der wurde uns ein paar Wochen zuvor schon von einem Camp Host im Glacier Nationalpark empfohlen und war seitdem „auf unserer Liste“. Der Park ist voll mit lustigen Formationen aus rotem Sandstein, sogenannte Hoodoos. Es gibt mehrere Täler, die miteinander verbunden sind. In der vollen Mittagshitze erkundeten wir das erste der Täler und unser kurzer Ausflug war anstrengender, als er hätte sein sollen. Die Hoodoos sind viel größer, als sie auf Fotos oft aussehen und es wäre einfach, sich irgendwo im Tal zwischen den ganzen Formationen zu verlaufen.
Wir kauften eine Flasche Cola, um die Hitze und Müdigkeit zu bekämpfen und fuhren weiter. Wir nahmen eine Abkürzung aus dem Park raus, neun km auf einer teils sandigen Schotterstraße anstatt 27 km auf der Hauptstraße… Abgesehen von ein paar kurzen Abschnitten war es sogar fahrbar und definitiv gutes Training für unsere Fahrfähigkeiten auf Sand! Wir waren dankbar für Abfahrt auf Asphalt mit Rückenwind nach Hanksville rein, weil es schon wieder dunkel wurde und wir beide reif waren fürs Bett.





Die nächsten Tage südlich von Hanksville waren sehr abgelegen und wir mussten vorher genug Essen einkaufen. Wir verließen das Dorf auf einer wenig genutzten Nebenstraße und kamen an einem Schild vorbei mit der Aufschrift „no services for the next 125 miles“ – es gab einfach nichts für die nächsten 200 Kilometer! Die Landschaft war beeindruckend, zusätzlich zu den Felsformationen sahen wir jetzt noch Schluchten hier und da. Wir überquerten den Lake Powell zweimal auf ziemlich coolen Brücken, allerdings hatte der hier fast kein Wasser. Als wir abends zum Campen auf einen Schotterplatz rollten, wurden wir begeistert von einer Gruppe empfangen. Während Sebi das Abendessen vorbereitete, unterhielt ich mich mit den anderen. Es war eine Gruppe von acht Freunden, die jedes Jahr hier Urlaub machten zum Schluchten erkunden (Canyoning). Schon seit unserer Ankunft hatte sich ein Gewitter zusammengebraut und pünktlich zum Abendessen kam es bei uns an. Wir verkrochen uns in unserem Zelt und waren sehr froh drum, dass wir endlich im Zelt essen konnten, ohne uns wegen Bären Sorgen machen zu müssen.






Es gewitterte die ganze Nacht und hörte selbst morgens nicht direkt auf. Gut geschlafen hatte ich nicht. Nach dem Frühstück hörte es endlich auf und wir fuhren weiter. Die Gruppe Freunde verabschiedete uns noch mit Erdnussbutter und Schokolade. Wir kamen nicht einmal zwei Stunden weit, als sich vor uns ein Gewitter aufbaute und wir beschlossen, dass wir etwas zum Unterstellen finden mussten, und zwar schnell. Wir fanden den perfekten Felsvorsprung und wir brachten uns und unsere Wertsachen gerade noch rechtzeitig ins Trockene. Es war tatsächlich ein echt cooler Spot und wir waren fast traurig, dass wir keine Nacht dort verbringen konnten!
Sobald das Gewitter vorbeigezogen war, fuhren wir weiter. Ich fragte zwei Mitarbeiter bei einem Straßenunterhaltsfahrzeugsgebäude (kennt jemand ein besseres Wort?) nach Wasser und sie gaben uns mehr als genug. Das hieß, dass wir die 14 km Umweg an dem Nachmittag nicht machen mussten, juhu! Wir wären nämlich sieben km zu einem kleinen Park gefahren, nur um Wasser aufzufüllen. Nicht mal eine halbe Stunde später fuhren wir allerdings schon in das nächste Gewitter und wir hatten gar keine andere Möglichkeit, als doch zu dem kleinen Park zu fahren, um uns unterzustellen. Wir kamen gerade noch rechtzeitig dort an und auf wen trafen wir dort? Tristan und Martin, die zwei Radfahrer, die wir südlich von Salt Lake City getroffen hatten! Die zwei hatten sich schon seit gestern dort vor dem schlechten Wetter verkrochen. Wir verbrachten den restlichen Tag unterm Dach neben den Toiletten des geschlossenen Besucherzentrums. Drei weitere Gewitter zogen noch über uns hinweg und wir bereuten es kein bisschen mehr, dort hin gefahren zu sein. Wir mussten nicht einmal das Zelt aufstellen und schliefen alle in dem Toilettengebäude. Beheizt und trocken, der Traum eines jeden Fahrradreisenden!



Am nächsten Tag war das Wetter viel besser. Wir verabschiedeten uns von Tristan und Martin, die in die andere Richtung weiter fuhren. Wir kamen an einen wunderschönen Aussichtspunkt. Auf einer Höhe von 1950 standen wir am Rand einer Klippe und guckten auf eine Straße runter, die etwa 300 Meter unter uns lag! Eine Kurve Schotterstraße führte von dort oben an der Felswand entlang nach unten. Moki Dugway hieß die Straße und war definitiv eine der schönsten Wege, die wir je gefahren sind! Wir waren allerdings auch sehr froh, dass wir die Straße nicht hochfahren mussten… Unten kam uns ein großer LKW entgegen und wir winkten, als wir das Schweizer Nummernschild erkannten. Er hielt an und wir lernten Manu und Thiago kennen. Wir unterhielten uns echt lang und bekamen dann noch super viel Essen geschenkt, so lieb! Die zwei waren echt cool und da sie auch im Dezember auf der Baja California in Mexiko sein wollten, verabredeten wir uns grob für dann (mittlerweile haben wir sie tatsächlich schon viel öfter gesehen und es ist jedes Mal so toll!).
Etwas später kamen wir am Forrest Gump Point im Monument Valley an und machten ein paar Fotos. Es war schon wieder ziemlich spät, bis wir am Campingplatz ankamen. Wir verbrachten zwei Nächte dort und kümmerten uns um Routenplanung, unsere Fahrräder und ums Tagebuchschreiben.







Nach zwei weiteren Tagen Fahrradfahren kamen wir in Page an. Hitze und Gegenwind machten die Zeit ziemlich anstrengend und als wir in der Stadt ankamen, waren wir sehr froh über das Motel, was wir uns gebucht hatten. Campingplätze hier in der Gegend waren so teuer, dass das Motel mit 50 Dollar pro Nacht sogar günstig wirkte! Wir blieben einen ganzen Tag in Page, arbeiteten hauptsächlich weiter an unserer Routenplanung und gingen das erste Mal zu TacoBell zum Essen.


Veröffentlicht am 05. Januar 2026
Erlebt vom 14.10. bis 28.10.2025

@Lilith, bei uns nennt man diese Gebäude ‚Werkhof‘😊
Ihr Lieben, danke vielmal für‘s Teilen eurer spannenden Abenteuer und der wunderschönen Bilder🫶 An unser kleines Forrest Gump Point Meeting denke ich sehr gerne zurück…… Sebi telefonierend am Strampeln und ich grippig havariert am Laptop, Bilder betrachtend eben dieses Punktes. Danke euch beiden herzlich für diesen Moment😊
Ich wünsche euch eine gute Weiterfahrt, auf dass ihr weiterhin lieben Menschen begegnet und gute Unterschlüpfe findet.
Liebi Grüessli vo daheim☀️
Lustig, das meinte Sebi gestern auch, aber da war der Post schon online.. Depot im Englischen war so schön einfach 😂
Danke! Ganz liebe Grüße zurück ☺️
So ist es halt: Manchmal ist der Weg das Ziel. Das ist schon eine beeindruckend große Radelcommunity. Für mich beeindruckend ist es auch, wieviel Zeit in dieses Unternehmen fließen kann.
Liebe Grüße aus Obermünkheim im Schnee
Hans-Reiner
Das stimmt, die Whatsapp-Gruppen für bestimmte Regionen haben mehrere hundert Mitglieder… Sehen tut man dann allerdings die wenigsten davon, entweder man ist ein Jahr auseinander, oder nur ein zwei Wochen aber immer gleich schnell 😄
Ganz liebe Grüße aus Mexiko 🙂
Hoi Zäme,
Herzlichen Dank für den wunderschönen Bericht.
Nun auf in ein neues Erlebnis auf Eurer Reise. Bleibt Gesund und häbet sorg.
Liebi Grüess Ilse und Markus
Sehr gerne! Bleibt auch gesund.
Ganz liebe Grüsse aus Mexiko 😊
Liebe Beide
Euer Tour durch ganz Amerika beeindruckt uns sehr! Und Eure Berichte sind sehr spannend, zumal wir an einigen von Euch durchfahrenen Orten auch schon waren (Kanada). Und für diesen Spätsommer sind – da Nicolas die nächsten 6 Monate seine Master-Arbeit in den USA schreibt – USA-Nationalpark-Ferien geplant (Yellowstone, Utah). Da waren Eure zwei neuesten Berichte natürlich eine gute Inspiration.
Wir haben Euch heute noch ein paar „Kaffee-Gutscheine“ gekauft, komischerweise steht ominös „Someone“. Leistet Euch damit etwas, was Ihr sonst nicht tun würdet.
Viel Glück und tolle Erlebnisse auf Eurer Fahrt nach Patagonien!
Herzliche Grüsse Philipp, Sibilla, Nicolas und Madlaina