| 10 Fahrradtage | 713 km | 8204 hm | 2 Nationalparks |

Wir verließen die Stadt Page und fuhren über den Glen Canyon Damm. Das Wetter blieb weiterhin schön und unsere Regensachen rutschten immer mehr nach unten in unseren Taschen. Unser nächster Stopp: Buckskin Gulch, ein wunderschöner Slot Canyon mit roten Felswänden. Im Gegensatz zum Antilope Canyon, der größer und bekannter, aber dadurch auch sehr teuer ist, zahlt man für den Buckskin Gulch nur ein paar Dollar Spende. Wir schlugen unser Zelt am angrenzenden kostenlosen Campingplatz auf, um sicherzugehen, dass wir noch einen Platz bekommen würden und fuhren zurück zum Canyon. Leider waren wir ein wenig zu spät, um die Farben im Tageslicht leuchten zu sehen, aber es war trotzdem noch beeindruckend! Und unsere erste Erfahrung in so einem Canyon.





Auf dem Rückweg zur Hauptstraße am nächsten Tag hielten wir noch an einer lustigen „Sehenswürdigkeit“, die ich am Tag zuvor auf einer Karte entdeckt hatte. Von der Straße aus fast nicht sichtbar, aber mit einem kurzen Spaziergang einfach zu erreichen, waren aufgestapelte alte, ehemals wunderschöne Autos. Später fand ich heraus, dass das bewusst so konstruiert und errichtet wurde, um die obenliegende Straße vor Erosion zu schützen. Scheint damals günstiger gewesen zu sein als andere Materialien!



Über die Cottonwood Canyon Road ging es für uns direkt zum Bryce Canyon. Die 74 km lange Schotterstraße wurde einige Tage zuvor durch heftige Regenfälle teilweise ausgewaschen und war deswegen offiziell gesperrt. Wie fast immer nahmen wir an, dass wir mit unseren Fahrrädern schon irgendwie drum herum kommen würden und da die einzige Alternative ein riesiger Umweg wäre, mussten wir auch nicht lange nachdenken. Nach ein paar Kilometern kam uns schon ein Auto entgegen und der Fahrer versicherte uns, dass wir es definitiv zum anderen Ende schaffen werden. Er lud uns sogar zu sich nach Hause nach Phoenix ein, aber leider lag das nicht mal ansatzweise auf unserer geplanten Route. Wir waren mal wieder irgendwo im Nirgendwo, mitten in einer wunderschönen Landschaft. Wir befanden uns auf dem „Grand Staircase-Escalante National Monument“, mit vielen verschiedenen Gesteinsschichten in unterschiedlichen Farben, Schluchten und einigen Nationalparks.





Als wir am folgenden Tag wieder asphaltierten Boden unter den Rädern hatten, rollte ein Schweizer LKW vor unserer Nase vorbei. Wir erkannten Manu und Thiago, die wir erst vor kurzem im Monument Valley kennengelernt hatten. Ich schrieb ihnen eine Nachricht und wir verabredeten uns für den nächsten Tag im Bryce Canyon. Es war ziemlich heiß und irgendwann sagte ich zu Sebi, dass ich an dem Abend definitiv ein kaltes Getränk kaufen würde. Keine zehn Minuten später fand ich drei ungeöffnete Flaschen Cola am Straßenrand – die müssen irgendwie von nem Auto gefallen sein! Überglücklich über meinen Fund stopfte ich die Flaschen in meine Satteltasche. Am Campingplatz angekommen, stellten wir das Zelt auf und fuhren zum Abendessen zum Sunset Point Aussichtspunkt. Die Aussicht war spektakulär und wir blieben so lange, bis Sebi Fotos von den Felsformationen unterm Sternenhimmel machen konnte.


Am nächsten Morgen fuhren wir nochmals zum Viewpoint, parkten unsere Fahrräder und machten eine Wanderung in den Canyon. Wir kombinierten Teile vom Navajo Loop und von der Queens Garden Wanderung und die Landschaft änderte sich so oft! Von steilen, rot-orangenen Canyons zu offenem Wald und weißen Felsen. In den Canyon zu wandern heißt leider auch, dass man an irgendeinem Punkt wieder hoch muss und wir waren beide froh, als wir es wieder zum Ausgangspunkt geschafft hatten. Sebi ging zurück zum Campingplatz und ich fuhr noch zu ein paar weiteren Aussichtspunkten. Als ich später am Campingplatz ankam, waren unsere zwei Schweizer Freunde schon da und wir verbrachten den restlichen Abend auf ihrem Campingplatz, versunken in lebhaften Gesprächen.







Während wir uns am nächsten Tag von Manu und Thiago verabschiedeten, wurden die zwei noch von einem Paar aus den USA angesprochen. Die beiden leben halb in Alaska und halb in Utah. Als sie rausfanden, wie wir zwei unterwegs sind, luden sie uns direkt zu sich nach Hause ein! Lustigerweise lag das direkt an unserer geplanten Route und wir kündigten uns für ein paar Tage später an.
Über die nächsten zwei Tage fuhren wir zum Zion Nationalpark. Direkt vor der Abfahrt in den Nationalpark ist ein Tunnel, in dem Fahrradfahrende leider streng verboten sind. Es gibt keinen offiziellen Shuttleservice, weswegen wir jemanden finden mussten, der bereit war, uns durch den Tunnel mitzunehmen. Es dauerte zum Glück nicht lang und wir fanden uns mitsamt unseren Fahrrädern auf der Ladefläche von einem Pickup Truck wieder! Wir ihr wisst, war das nicht das erste Mal, dass wir auf der Ladefläche mitfahren mussten, aber es fühlt sich nicht unbedingt sicherer an, nur weil man es öfter macht… Wir wurden direkt hinter dem Tunnel abgeladen und genossen die asphaltierte Abfahrt nach Zion. Am Campingplatz trafen wir Kris wieder, einen Fahrradfahrer, den wir schon im Yellowstone Park kennengelernt hatten. Er war für einige Tage dort und bot uns an, seinen Campingplatz mit uns zu teilen. Da der Platz voll ausgebucht war und wir nur für eine der zwei Nächte einen Platz bekommen hatten, nahmen wir das Angebot dankend an.






The Narrows Wanderung – Zion Nationalpark:
Das war mit Abstand eine der coolsten Dinge, die wir bis jetzt auf unserer Reise gemacht haben. Mitten im Zion Nationalpark gibt es „die Narrows“, den engsten Abschnitt des Zion Canyons. Die Wände sind dort mehrere hundert Meter hoch, aber die Schlucht an der engsten Stelle nicht einmal zehn Meter breit. Durch die Narrows führt eine Wanderung, und der Fluss, der hier durch die Schlucht fließt, ist der Wanderweg! Die Wassertiefe variiert und kann brusttief sein. Wenn die Strömung zu stark und das Wasser zu hoch ist, wird die Wanderung gesperrt.
Da das Wasser zu der Jahreszeit schon relativ kalt war, entschieden wir uns dazu, noch Ausrüstung zu mieten. Wir wurden ausgestattet mit Neoprensocken, Wasserschuhen, einer Trockenlatzhose und einem langen Holzstock. Leider mussten wir an dem Tag der Wanderung noch den Stellplatz auf dem Campingplatz wechseln und da wir so früh zur Wanderung aufbrechen wollten, war der neue Platz natürlich noch nicht frei. Wir packten also alles zusammen und mieteten uns im Dorf Schließfächer für alle unsere Sachen. Die Fahrräder schlossen wir am Campingplatz zusammen und nahmen den Shuttlebus zum Start der Wanderung.
Das Wasser war mal knöcheltief, mal ging es mir bis über den Bauchnabel. Manchmal konnte man auch auf einem schmalen Streifen Sand am Rand der Schlucht laufen. Für mehrere Stunden wateten wir in den Canyon, bis wir am frühen Nachmittag beschlossen, wieder umzudrehen. Die Felswände waren so hoch! Das Wasser drückte gegen die Beine, aber mit den Trockenhosen blieb alles trocken. Fast wie Zauberei! Wir machten viele Fotos und ich bin noch immer beeindruckt, dass keiner von uns eins seiner elektronischen Geräte im Wasser versenkt hat. Ein paar ganz verrückte Menschen wanderten einfach in Crocs oder Sandalen und kurzen Hosen! Da bekamen wir ja schon kalte Füße, nur beim Zugucken. Nach sieben Stunden waren wir wieder zurück an der Bushaltestelle, erschöpft und glücklich. Wir brachten die Ausrüstung zurück und verbrachten den Rest des Abends am Campingplatz mit Kris und seinem Kumpel aus Belgien.








Vom Zion Nationalpark war es nur noch ein Tag auf dem Fahrrad bis zu dem Paar, das uns zu sich eingeladen hatte. Es war super heiß an dem Tag und nach der Mittagspause brauchten wir noch ewig, bis wir uns wieder aufraffen konnten. Als wir durch St. George fuhren, waren wir total beeindruckt von den vielen Radwegen – auf fast jeder Straße hatte es einen Fahrradstreifen! Überall wuchsen Kakteen und Palmen. Kurz nach Sonnenuntergang kamen wir an und waren so beeindruckt von der Landschaft. Die Häuser waren alle flach und erdfarben und fielen fast nicht auf zwischen den Wüstenpflanzen. Wir wurden mit offenen Armen empfangen und wir waren wieder mal sehr dankbar für die Gastfreundschaft. Am Ende blieben wir zwei ganze Tage dort. Sebi machte viele kleinere Reparaturen und nutzte die Gelegenheit, eine Nähmaschine ausleihen zu dürfen. Ich arbeitete am Blog und ging mit unseren Hosts einkaufen. Auch schön, das zur Abwechslung mal nicht mit dem Fahrrad machen zu müssen! An einem Abend durften wir sogar den Whirlpool nutzen, mit Aussicht auf Joshua Trees unter sternenklarem Himmel.



Drei weitere Tage auf dem Fahrrad und wir würden schon in Las Vegas sein! Ich freute mich schon länger drauf, die Stadt zu sehen. Ich würde niemals dafür dorthin fliegen, aber jetzt lag es einfach auf dem Weg. Wir verabschiedeten uns und hatten einen schönen Tag auf dem Rad – bergauf, bergauf, Joshua Trees – bis wir gegen Abend auf eine Schotterstraße abbogen. Es gab nicht viele Straßen zur Auswahl und die Schotterstraße war die einzige Alternative zu der stark befahrenen, gefährlichen und warscheinlich für uns verbotenen Insterstate-Autobahn. Leider war der Weg extrem sandig und wir mussten unsere Räder für mindestens 90% der ersten 15 km schieben. Es wurde dunkel, es ging viel bergauf und wir hatten keine Ahnung, wie lange es gehen würde, bis der Weg sich besserte. Wir kämpften uns voran, bis wir auf einer Art Plateau ankamen und das Gefühl hatten, das Schlimmste geschafft zu haben. Es war längst nach 22 Uhr, bis wir endlich unser Zelt aufstellten.





Glücklicherweise dauerte es am nächsten Tag weniger lang als befürchtet und wir waren zurück auf besserem Schotter und Asphalt. Wir sahen immer mehr verschiedene Kaktusarten und fanden ganz viele Dinge am Straßenrand, unter anderem einen alten iPod classic und Kassetten. Nach einer weiteren Nacht Wildcampen irgendwo im Gebüsch kamen wir in der Stadt der Superlative an. Das Wetter war noch immer fantastisch und wir warteten mit der Mittagspause, bis wir einen Schattenplatz gefunden hatten. Etwas außerhalb der Stadt wurde ein entgegenkommendes Auto plötzlich sehr langsam und der Fahrer winkte uns enthusiastisch zu. Wir brauchten einen Moment, bis wir die Person erkannten – es war Tristan, in einem Mietauto! Der kanadische Radfahrer, den wir das letzte Mal getroffen haben, als wir uns alle bei einem Besucherzentrum vor dem Gewitter versteckt haben. So lustig. Er fand es offensichtlich genau so lustig, dass er jetzt kurzzeitig auf der Seite der Autofahrer war und bot uns Wasser und Snacks an. Las Vegas hatte viel mehr Fahrradwege, als wir erwartet hatten. Leider gab es aber gleichzeitig auch viele Baustellen und durch die Stadt zu fahren war dann doch fast genauso anstrengend, wie befürchtet.





Wir kamen bei unserem Motel an und verstauen unsere Fahrräder im Zimmer. Wir konnten die Sphere von unserem Fenster aus sehen! Wenn man mal den Stromverbrauch und die Lichtverschmutzung außer Acht lässt, ist es echt ein beeindruckendes Gebäude. Wir beschlossen, in der Stadt zu essen und fuhren mit der Monorail ins Zentrum des Chaos. Wir stiegen aus und standen gefühlt in Paris, mit dem Eiffelturm und dem Arc de Triomphe direkt vor unserer Nase. Kleiner Fun Fact: Das ist der zweite Fake Eiffelturm, den ich mittlerweile gesehen habe, aber den echten hab ich noch nie gesehen! Wir hielten noch für ein paar Fountain Shows vor dem Bellagio Casino und machten uns langsam zurück Richtung Motel. Schnell merkten wir, dass die Casinos so unglaublich einfach zugänglich waren, dass man unweigerlich durch mindestens eins durchlaufen musste, um dahin zukommen, wo man hin wollte. Zwei Wochen später fand die Formel 1 in Las Vegas statt und alles wirkte noch ein kleines bisschen chaotischer, als es wahrscheinlich normalerweise schon ist, mit gesperrten Fußgängerwegen und Betonwänden überall.




Wir blieben in Vegas für ein paar Tage. Ich hatte online gelesen, dass manche Casinos kostenlose Einführungen in die bekanntesten Spiele anbieten, wie zum Beispiel Craps und Black Jack. Wir gingen zu einem Kurs für Craps und waren die ersten 50 der 60 Minuten komplett verwirrt! Am Ende ergab es dann aber immer mehr Sinn und war tatsächlich noch ganz cool. Wir spielten aber dann doch nie an einem Tisch, das ging uns einfach viel zu schnell und die Mindesteinsätze waren auch viel zu hoch! Wir versuchten unser Glück an ein paar Automaten und hatten mega viel Spaß. Wir gingen am Ende sogar trotz unseres lächerlich niedrigen Gambling Budgets mit ein wenig Gewinn raus.
Wir liefen durch das Venetian Casino und sahen die beeindruckende Kopie von Venedig. Es fehlte an nichts, es gab Kanäle mit kleinen Booten, den Plaza San Marco und der gefälschte blaue Himmel an der Decke sah täuschend echt aus. Manu und Thiago waren zufälligerweise auch gerade in Vegas und wir verbrachten einen ganzen Nachmittag zusammen. Es ist einfach immer so schön mit den beiden! Und auch so toll, neue Freunde mehrmals sehen zu können, oftmals dauert es ewig oder es klappt gar nicht mehr.
Abgesehen von dem belebtesten Abschnitt auf dem Strip sind viele Gebäude und Casinos schon sehr in die Jahre gekommen. Wir verbrachten auch so viel Zeit mit Laufen. Obwohl das meiste auf der Karte gar nicht so weit weg aussah, brauchte man zu Fuß dann doch irgendwie ewig und dass man die ganze Zeit von einer Straßenseite auf die andere und durch ein Casino nach dem nächsten geleitet wurde, machte das ganze Unterfangen nicht gerade schneller.
Einen Tag verbrachten wir fast komplett mit Planen und Organisieren. Wir würden nicht mehr viel länger in den USA sein und mussten noch einiges ersetzen und kaufen vor dem Übergang nach Mexiko. Onlinebestellungen und generell die Verfügbarkeit von Dingen wird ab da um einiges komplizierter werden. Wir organisierten uns einen Warmshowers Host in Palm Springs für die kommende Woche, bestellten ein paar Dinge zu ihm und planten unsere Route ab Vegas nochmal komplett neu. Ursprünglich wollten wir durch das Death Valley fahren und von dort aus an die Küste und nach San Diego. Leider sah das Wetter für die kommenden Tage überhaupt nicht gut aus. Nicht, dass wir ein bisschen Regen nicht aushalten würden, aber Sturzflut-Warnungen in der Wüste sollte man wirklich ernst nehmen. Wir verschoben unsere geplante Abfahrt aus Las Vegas um zwei Tage nach hinten und verbrachten die letzten zwei Nächte bei einem Warmshowers Host.
Veröffentlicht am 14. Januar 2026
Erlebt vom 29.10. – 15.11. 2025

Unglaubliche Bilder- faszinierende Landschaften. Ihr habt eine ganz tolle Route geplant. Und die vielen Begegnungen- wunderschön!
Und die detaillierten Reiseberichte begeistern uns jedes Mal aufs Neue!
Vielen Dank dafür!
Weiter tolle Erlebnisse und immer eine behütete Fahrt!
Herzliche Grüße!
Oma und Opa in Gönningen
Guten Morgen Lilith und Sebastian,
wunderschöne Bilder und ein Ausführlicher Reisebericht von Euch ist immer Interessant zu Lesen.
Es ist alles so ausführlich dass man glaubt selber dabei zu sein.
Wir freuen uns auf die nächsten Nachrichten und verbleiben mit lieben Grüssen
Markus und Ilse