| 11 Fahrradtage | 734 km | 15.287 hm |
Unsere Route von Medellín nach Bogota und durch das Páramo de Sumapaz
Nach fast zweieinhalb Wochen war es dann so weit und wir mussten uns von unserem Airbnb verabschieden. Die Fahrt aus der Stadt raus war wie immer ziemlich anstrengend. Medellín hat zwar relativ viele Radwege, allerdings hörten viele davon sehr abrupt und unpraktisch irgendwo auf. Ein paar Tage verbrachten wir auf weitestgehend angenehmen Hauptstraßen. Immer wieder wurden wir von lokalen Fahrradfahrenden überholt – und lernten später, dass wir Teile von einem der längsten kontinuierlichen Ansteige weltweit gefahren sind. Jetzt fing das Höhenmetersammeln erst so richtig an! Und sollte auch so schnell nicht mehr aufhören, die Anden lassen grüßen. Am dritten Tag fuhren wir fast 2300 Meter bergauf und kamen endlich von den Hauptstraßen weg. Gegen Abend fuhren wir auf einer wirklich schönen, dicht bewachsenen Schotterstraße bergauf. Als wir an einem der wenigen Häuser vorbeikamen, fragten wir, ob wir dort zelten durften und wurden direkt herzlich empfangen. Wir durften unser Zelt hinterm Haus aufstellen, Trinkwasser und Badezimmer nutzen und hatten eine Wahnsinnsaussicht auf die Berge um uns herum.



Parque Nacional Natural Los Nevados
Am nächsten Tag ging es auf der wunderschönen Schotterstraße fröhlich weiter bergauf und wir kamen an einigen sehr fancy aussehenden Thermalwasserspas vorbei. Irgendwann wurde Schotter zu Teer und wir befanden uns auf fast 4000 Metern! Zum ersten Mal waren wir in einem Páramo – das sind einzigartige Ökosysteme in den Anden Südamerikas, welche hauptsächlich in Kolumbien, Ecuador und Peru auf etwa 3000 – 4500 Metern Höhe zu finden sind. Sie dienen als riesige Wasserspeicher – Pflanzen und Boden nehmen Wasser aus der Luft auf und geben es langsam an Bäche und Flüsse ab. Die bekanntesten Pflanzen sind wohl die Frailejones. Páramos sind bekannt für ihr nebliges, nasses Wetter, aber wir hatten richtig Glück und es schien fast den ganzen Tag die Sonne.
Wir fuhren noch eine Weile auf etwas über 4000 Metern durch den Nationalpark Los Nevadas, mit hammer Aussicht ins Tal und auf den Vulkan Nevado del Ruiz – dem zweithöchsten aktiven Vulkan auf der Nordhalbkugel. Mit 4149 Metern stellten wir an dem Tag noch einen neuen, vorläufigen, Höhenrekord der Tour auf!




Ruta de la Templanza
Von Murillo aus fuhren wir über die Ruta de la Templanza nach Santa Isabel – eine zwar schöne, aber ziemlich anstrengende Schotterstraße. Es fing schon richtig gut an und wir starteten mit Blick auf ein scheinbar endloses Wolkenmeer! Die Stelle war mal mehr, mal weniger steinig und immer wieder fies steil. Es ging fast genauso viel bergauf wie bergab und wir kamen nur langsam voran. Zusätzlich mussten wir ja noch die Aussicht genießen und Fotos machen. Wir fuhren durch einen Wachspalmenwald; mit einer Höhe von bis zu 60 Metern gilt die Quindio-Wachspalme als höchste Palmenart der Welt und ist der Nationalbaum Kolumbiens. Der Sonnenuntergang kam immer näher, und als wir dann auch noch falsch abbogen, war klar, dass wir es an dem Tag nicht mehr bis nach Santa Isabel schaffen würden. Wir landeten bei einer Familie, die uns erklärte, dass es hier wirklich nur mit dem Pferd weiterginge. Wir fragten, ob wir denn dort zelten dürften und wurden mal wieder herzlich willkommen geheißen. Wir durften bei ihnen im Innenhof übernachten und wurden mit Tinto versorgt (schwarzer Kaffee mit GANZ VIEL Zucker).





Am nächsten Morgen fuhren wir die restlichen Kilometer bis nach Santa Isabel – und dann stand uns eine Abfahrt von fast 3000 Metern bevor! Im Gegensatz zu Mexiko vor einigen Monaten hatten wir sogar gutes Wetter, und es wurde mit jedem Kilometer heißer. Der Fahrtwind fühlte sich irgendwann an wie ein Heißluftfön und unten im Tal waren es dann wieder erstickende 39 Grad im Schatten…



Wieder bergauf nach Bogotá
Von unseren 220 Metern Höhe im Tal mussten wir innerhalb von zwei Tagen wieder auf 2700 Meter hoch. Genau deshalb wollten wir ursprünglich gar nicht nach Bogotá fahren, sondern auf der anderen Seite des Tals bleiben. Leider mussten wir aber für ein zukünftiges Visum noch ein paar Dinge erledigen, für die wir um die Hauptstadt nicht herumkamen. Daher blieb uns nichts anderes übrig und wir sammelten fleißig weiter Höhenmeter. Es war zum Glück recht schattig und der Anstieg daher nicht so unangenehm, wie befürchtet. Immer wieder hatten wir Aussicht auf die Bergkette auf der anderen Seite des Tals, wo wir gestern erst noch gewesen waren – schon lustig! Gegen Abend kamen wir in einem kleinen Dorf an und ein älteres Paar, das uns am Straßenrand entgegenkam, sprach uns an. Wir hatten noch gar nicht viel geredet, da fragten sie auch schon, ob wir nicht bei ihnen übernachten wollen würden – sie hätten genug Platz und würden direkt um die Ecke wohnen. Dankbar nahmen wir das Angebot an, wir wussten nämlich noch gar nicht, wo wir die Nacht hätten verbringen sollen. Die zwei waren unglaublich lieb, wir bekamen unser eigenes Gästezimmer und unterhielten uns noch, bis wir alle müde ins Bett fielen.

Der Tag nach Bogotá war vor allem kalt und nass. Wieder auf 2700 Metern war der Regen ziemlich unangenehm. Der Verkehr war faszinierend und anstrengend zum Fahren gleichzeitig. Der Highway war definitiv für alle da – Busse, LKWs, Motorräder, Fahrräder, Fußgänger… Was ein Durcheinander! Bogotá hat zum Glück ein riesiges Netz an Fahrradwegen und wir waren erleichtert, als wir endlich auf Fahrradwege wechseln konnten. Allerdings waren die Fahrradwege relativ eng und fast genauso stark befahren, wie der Highway zuvor – Cargofahrräder, Roller, Rennräder, Taxi-Fahrräder, wir mit unseren Fahrradtaschen… Im Hostel angekommen, duschten wir heiß und bestellten uns vegane Burger, yummy!
Wir blieben nicht lange in Bogotá, da wir ja gerade erst mehr als genug Pause und Stadt hatten in Medellín. Wir erledigten die paar Dinge fürs Visum, gingen einkaufen und ich arbeitete am Blog.
Páramo de Sumapaz
Etwas Positives hatte unsere Routenänderung nach Bogotá dann aber doch noch: Wir konnten durch das Páramo de Sumapaz fahren! Da hatten wir uns nämlich zuvor dagegen entschieden, weil wir nicht von der einen Bergkette ins Tal abfahren und auf der anderen Seite wieder auf über 3000 Meter hochfahren wollten… Das Páramo de Sumapaz ist das größte Páramo der Welt und liegt etwa 50 Kilometer südlich von Bogotá.
Aus Bogotá rauszufahren, war unfassbar anstrengend, die Stadt hörte und hörte einfach nicht auf! Immerhin war Sonntag und da sind viele Straßen gesperrt und nur für Fußgänger und Radfahrende offen. Trotz leichtem Regen waren unglaublich viele Menschen auf der Straße, richtig cool! Schade, dass es das bei uns nicht gibt… An dem Tag fuhren wir noch bis auf 3500 Meter hoch und zelteten ein paar Kilometer vor dem Eingang zum Nationalpark im Gebüsch. Die Nacht war richtig ruhig und wir freuten uns, dass wir endlich mal wieder wildcampen konnten.



Am nächsten Tag war es windig und ziemlich kalt, aber immerhin regnete es nicht viel. Die Temperaturen müssen knapp über null gewesen sein. Die Frailejones waren alle am Blühen, was richtig schön aussah. Wir genossen die Aussicht, machten viele Fotos und kamen mal wieder nur langsam voran. Nachmittags überholte uns ein Auto und der Beifahrer sprach uns an. Nach ein paar Minuten stellte sich heraus, dass es der Bürgermeister von dem kleinen Ort San Juan de Sumapaz war, und er uns einlud, im Hotel in seinem Dorf zu übernachten, er würde die Kosten übernehmen. Lustigerweise hatte Sebi schon von zwei anderen Fahrradreisenden gelesen, denen genau das gleiche passiert war. Wir nahmen das Angebot an und machten den Tag kurzerhand etwas kürzer. Auf den letzten Kilometern Schotter legt es Sebi leider noch richtig hin, zum Glück ist außer ein paar Löchern in der Kleidung nicht weiter was passiert. Das Vorderrad ist einfach blöd in zu weichen Schotter gekommen und wollte nicht dahin, wo Sebi hinwollte. Beim Hotel angekommen, müssen wir dann noch ein kleines Interview geben, und wir reimen uns auf Englisch und Spanisch irgendwas zusammen.







Zurück ins Tal
Obwohl wir am nächsten Tag auf unter 1000 Meter runterfuhren, ging es trotzdem noch fast 1000 Meter bergauf. Die Straße war mal wieder ein Traum – auf Schotter mitten durch den Dschungel. Abends übernachteten wir in einem günstigen und gemütlichen Hotel in Pandi und es war so heiß! Wir können euch gar nicht sagen, was in der Zeit anstrengender war: die ganzen Höhenmeter, oder die krassen Temperaturschwankungen, die wir in kürzester Zeit durchlebten. Vor nicht mal einem Tag froren wir bei knapp über dem Gefrierpunkt, und abends war es selbst noch mit Ventilator zu heiß im Zimmer. Immerhin gab es gegenüber vom Hotel einen kleinen Laden, bei dem Eis auf Kokosbasis verkauft wurde, das tat richtig gut bei der Hitze.





Veröffentlicht am 04. September 2026
Erlebt vom 02.07.2026 – 14.07.2026

Da schmerzen ja unsere Waden nur vom lesen eures Reiseberichts.
Aber jedes mal wieder schön, an euren spannenden Erlebnissen teilhaben zu können! Vielen Dank und weiterhin unfallfreie Touren!
Eure Oma Ingrid und Opa Volker 🥰