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Whitehorse nach Stewart: Zwischen Natur und Wildtieren auf dem Cassiar Highway

Posted on September 7, 2025September 7, 2025 by Lilith Hollich
11 Fahrtage1116 km10649 hm2 Gewitter

Es war früher Nachmittag, als wir Whitehorse verließen. Wir hatten so viel Essen gekauft, dass wir nur mit Ach und Krach alles in unseren kleinen Taschen verstaut bekommen haben. Also eigentlich nicht, denn wir mussten beide noch unseren kleinen Faltrucksack auspacken. Aber die Auswahl und Preise im Real Canadian Superstore waren einfach zu gut! Außerdem war das mal wieder unser letzter großer Supermarkt für eine Weile. Nachmittags trafen wir einen Radfahrer aus den Niederlanden, der 2023 in Ushuaia angefangen hat und die Amerikas von Süden nach Norden fährt. (Ich schreibe den Artikel Ende August und lustigerweise haben wir gestern eine Nachricht von ihm bekommen, dass er gut in Deadhorse angekommen ist. Sogar unseren Sticker hat er an der Wand vom General Store gesehen! So cool!)

Mit Steve (NL) und Bex (NZ)

An einem Morgen hat meine Begeisterung für Eichhörnchen leider einen kleinen Dämpfer erlitten – eines der Eichhörnchen hat über Nacht ein Loch in meine Satteltasche gefressen. Und das, obwohl die Satteltasche im Bear Bag war – wahrscheinlich haben die Nüsse einfach trotz ZipLok Beutel zu sehr gerochen…
Am Nachmittag holte uns Jon plötzlich ein. Wir hielten an dem Campingplatz, an dem Jon die Nacht verbringen wollte und machten eine späte Mittagspause. Als ein Gewitter aufzog, beschlossen wir kurzerhand, auch einfach dort zu bleiben.

Diese Eichhörnchen…!

Heiß, hügelig und Gegenwind – eine sehr unangenehmen Kombination, die einen auf keinen Fall schnell vorankommen lässt. Wir kamen endlich an der Stelle an, bei der wir die Nacht zelten wollten – und kamen in die schlimmste Mückenattacke, die wir bis jetzt hatten! Wir standen keine zwei Sekunden, und es flogen Tausende um uns herum. In Sekundenschnelle hatten wir Regenklamotten und Mückennetz an, und wir waren voll mit Mücken. Da bleiben, kochen, essen, Zelt aufstellen – nichts davon war auch nur ansatzweise möglich und so beschlossen wir ziemlich schnell, doch noch weiterzufahren. Etwa 20 Kilometer später kamen wir an eine Wiese neben dem Highway, bei der es schon viel besser war. Nichtsdestotrotz lief ich beim Abendessen in Kreisen über den Parkplatz, um mein Essen mit weniger Mücken genießen zu können. Durch den Regen über Nacht haben sich gefühlt alle Mücken zwischen unserem Innen- und Außenzelt versammelt… Wir fuhren also erst einmal wieder 10 Kilometer, bis wir unser Frühstück essen. Auf dem Weg dorthin überquerten wir die Continental Divide an einem der niedrigsten Punkte.

so. viele. Mücken.

Ab Watson Lake würden wir das erste Mal seit einer Weile mal wieder mehr als eine Routenoption haben. Um von Watson Lake aus weiterzufahren, konnten wir entweder auf dem Alaska Highway bleiben oder etwa 20 Kilometer zurückfahren und auf den Cassiar Highway abbiegen. Wir haben uns informiert und der Cassiar Highway ist wohl mehr abgelegen, mit weniger Verkehr, mehr Natur und dementsprechend weniger Supermärkten, bzw. Shops im Allgemeinen. Als Bonus gibt es eine 120 km Sidequest zu einer kleinen Stadt namens Stewart, wo man viele coole Sachen sehen und machen kann. Wir waren es ja schon gewohnt, Essen für viele Tage herumzufahren und entschieden uns für den Cassiar Highway. Immerhin waren wir ja schon eine ganze Weile auf dem Alaska Highway!

Der Tag, an dem wir nach Watson fuhren, war relativ lustig. Während wir morgens nach einem Platz zum Frühstücken Ausschau hielten, trafen wir auf ein Schweizer Paar, welches auch mit dem Rad nach Argentinien fährt. Wir hatten geplant, nach Watson Lake zu fahren, dort schnell zu duschen, einzukaufen, einen kurzen Sightseeing Stopp zu machen und dann die 20 Kilometer zur Abzweigung zurückzufahren und dort irgendwo zu zelten.
Wie geplant kamen wir auch gegen Mittag in Watson Lake an und fuhren zum Freizeitzentrum, um zu duschen. Danach kauften wir essen für die nächste Etappe ein – das umpacken in Zip-Beutel hat mal wieder ewig gedauert. Wir fuhren zum Sign Post Forest und liefen ein paar Minuten durch die Sammlung. Der Sign Post Forest ist ein Ort, an dem Reisende aus aller Welt angefangen haben, Schilder aus ihren Städten und Ländern aufzuhängen. Es hingen so viele gelbe deutsche Schilder dort, dass ich schon fast überrascht war, dass Deutschland überhaupt noch Ortsschilder hat!

Gegen 18 Uhr fuhren wir wieder aus Watson Lake raus. Nach ein paar Kilometern bemerkten wir, wie der Himmel vor uns dunkler wurde und sahen Blitze hier und da. Ein schneller Blick auf den Regenradar zeigte, dass sich das Gewitter für einige Zeit nicht von dort wegbewegen würde, wo wir hinfahren wollten. Kurzerhand drehten wir wieder um und fuhren zum selben inoffiziellen Campingplatz, wie die Schweizer – die waren sichtlich belustigt von unserem chaotischen Tag! Wir schafften es gerade noch rechtzeitig, unser Zelt aufzustellen, als das Gewitter in Watson Lake eintraf, mit starkem Sturm und heftigem Regen. Während ich noch kurz vorher zum Kochen ins Freizeitzentrum direkt um die Ecke geflüchtet bin, erlebte Sebi das erste Unwetter in unserem neuen Zelt.

Die Ruhe vor dem Sturm

Am nächsten Tag verließen wir Watson Lake zwar ohne das Gewitter, aber der Tag entpuppte sich als der regnerischste, den wir bis dahin hatten. Keine einzige Minute ohne Regen vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Immerhin war dadurch die Anzahl an Mücken mal erträglich… Da wir beim Anhalten nur ausgekühlt wären, fuhren wir einfach weiter und hielten erst relativ spät für eine Mittagspause an einem kleinen kostenlosen Campingplatz am See. Entgegen unseren Erwartungen gab es leider kein Dach, aber immerhin einen großen Baum, der uns halbwegs vor dem Regen schützte.
Kurz vor dem Mittagessen haben wir übrigens das erste Mal einen Bären gesehen! Es war ein junger Grizzlybär, der ziemlich versteckt hinter einem Busch neben der Straße war. Nach einem kurzen Moment gegenseitiger Überraschung rannte er davon.
Wir fuhren weiter Richtung Boya Lake – einem See, von dem wir schon viel gehört haben. Er soll unglaublich schön sein und tatsächlich, obwohl es geregnet hat, als wir ankamen, war das Wasser unglaublich schön türkis.

Seht ihr den Bär?
Ganz viele Walderdbeeren

Wir verbrachten den gesamten nächsten Tag auf dem Campingplatz. Das hatten wir uns schon seit Tagen vorgenommen. Es war der erste Tag ohne Fahrradfahren seit einer Woche und das an so einem schönen Platz! Wir hingen unsere Sachen zum Trocknen auf und sobald die Wolken sich verzogen hatten, schnappte ich mir eins der Miet-Kayaks und paddelte für eineinhalb Stunden über den See. So schön das Wasser auch aussah – es war leider nicht sehr warm und der Sand war tatsächlich Treibsand (was ich rausfand, als ich auf eine der schönen, kleinen Inseln gehen wollte). Aber trotz allem, einfach wunderschön!

Der wunderschöne Boya See von oben

Zwischen dem Boya Lake und der Meziadin Junction waren es hauptsächlich wir, die Straße und ganz viel Natur und Tiere. Ein Tag war irgendwie besonders, ich glaub nicht, dass wir jemals so viel verschiedene Tiere an einem Tag gesehen haben. Ein Schwarzbär, Bieber, Elche, Weißkopf-Seeadler, Hasen, Eichhörnchen, Füchse…
An einem Tag kamen wir an dem kleinen Dorf Jade City vorbei. Hier gab es nicht viel mehr als einen kleinen Laden und einen ebenfalls kleinen RV Park. Die in den Cassiar Mountains gelegene Princess Jade Mine ist angeblich eine der größten Jade Vorkommen weltweit. Der Laden wirbt mit kostenlosem Kaffee/Tee und draußen kann man zugucken, wie Jade verarbeitet wird.

Wenn es sich ergeben hat, schliefen wir auf so genannten „Recreation Sites“ – einfache, aber wunderschöne Campingplätze, die von den National- und Provinzparks unterhalten werden. Diese befinden sich meistens an Seen, haben Plumpsklos, Mülleimer, einen Picknicktisch an jedem Platz und manchmal sogar einen überdachten Platz zum Kochen. Falls das nicht klappte, schliefen wir an Rest Areas, die oftmals auch an Seen oder Flüssen waren. An einem dieser Rest Areas waren wir gerade dabei, schlafen zu gehen, als irgendetwas an unserem Zelt rüttelte. Sebi steckte den Kopf raus und fragte mich sehr verwundert, was denn seine Trailrunning-Weste in der Mitte von dem Schotterplatz machte. Ich witzelte noch etwas von einem Fuchs, und kurz danach sahen wir tatsächlich einen am Fluss entlang laufen – mit irgendetwas im Mund. Schnell überlegten wir, ob wir noch alles hatten, aber uns fehlte tatsächlich nichts. Sicherheitshalber stelle Sebi seine Schuhe in der Nacht auch ins Zelt und wir verknoteten unsere Taschen im Vorzelt jeweils zu einem dicken Knäuel.

Der (zu) neugierige Fuchs an unserem Schlafspot

Mücken machten unser Leben immer noch regelmäßig leicht zur Hölle. Es waren zwar nicht mehr so viele wie an dem einen Abend in der Nähe von der Continental Divide, aber sie waren besonders aggressiv und die Stiche besonders schmerzhaft. Zu dem Zeitpunkt sah mein Körper schon so aus, wie damals, als ich als Kind Windpocken hatte (glaub ich zumindest)… und wir gaben uns schon Mühe, Stiche zu vermeiden. Manchmal war es auch einfach zu viel und die ein oder andere Träne wurde vergossen, aus purem Frust. Zusätzlich zu den Mücken wurden wir jetzt auch noch von No-See-Ums terrorisiert – das sind extrem winzige Fliegen, die man fast nicht bemerkt und die einen überall beißen.

Überall Mücken!
Mein Gesicht, nachdem die No-see-ums mich gefunden haben…

An einem sonnigen Nachmittag kamen wir an der Meziadin Junction an, der Weggabelung nach Stewart. Von hier aus sind es 60 Kilometer bis nach Stewart und eigentlich wollten wir die am nächsten Tag fahren. Allerdings ist die Grizzlybär-Aktivität dort so hoch, dass campen im Zelt verboten war und so beschlossen wir, noch an dem Tag weiterzufahren. Die ersten 20 Kilometer ging es leicht bergauf – und wir hatten einen Gegenwind, auf den Patagonien stolz gewesen wäre! Immerhin gab es viele schöne Wasserfälle und Gletscher auf dem Weg dorthin, unter Anderem den Bear Glacier. Vor zehn Jahren kam der einfach noch komplett bis zum See runter.

Bear Gletscher

Als wir nach Stewart reinfuhren, fühlte ich mich sehr an die kleinen Fjorddörfer in Norwegen erinnert und mochte es direkt. Es gibt viele alte Gebäude, alte Autos, bunte Läden und Berge mit Wasserfälle in fast jede Himmelsrichtung. In einem Garten sahen wir sogar eine kleine Holzsauna! Wir campten auf dem lokalen Campingplatz, der ganz zu unserer Freude sogar eine Dusche hatte (wir haben ja vorher hauptsächlich auf den einfachen Campingplätzen übernachtet und waren es gar nicht gewohnt, eine Dusche am Campingplatz zu haben).

Wir hatten ursprünglich geplant, für einen oder zwei Tage in Stewart zu bleiben. Daraus wurden schnell ein paar Tage, da Sebi sich nicht ganz fit fühlte und für ein paar Tage viel Schlaf brauchte. Wir nutzten die Zeit zum Wäsche waschen, Pizza essen und einen neuen Post auf den Blog zu laden. An einem Tag fuhr ich mit dem Rad nach Hyder, ein kleiner Ort, der wortwörtlich um die Ecke liegt und tatsächlich ein Teil von Alaska ist. Hyder nennt sich „die freundlichste Geisterstadt der Welt“ und tatsächlich stehen die meisten Gebäude und Geschäfte leer. Es ist trotzdem irgendwie cool und man hat eine schöne Aussicht in den Portland Canal! Außerdem gibt es hier den „Fish Creek“ – einen flachen Fluss mit tausenden von Lachsen. Das zieht natürlich die Bären an und irgendwann wurde zum Schutz der Bären und der Menschen eine Aussichtsplattform aus Holz gebaut. Ich verbrachte ein paar Stunden hier, aber sah leider keinen Bären. Dafür sah ich einige Weißkopf-Seeadler und machte viel zu viele Videos von beschäftigten Biebern im Bach.

Drei Weißkopf-Seeadler auf einmal

Sobald Sebi wieder fit genug war, ließen wir unser Gepäck beim Campingplatz und fuhren mit unseren Rädern zum Salmon Gletscher. Der liegt etwa 40 km von Stewart entfernt, man fährt viel bergauf und auf Schotterstraßen. Auf dem Weg dorthin hielten wir an dem Fish Creek und sahen sogar zwei Schwarzbären! Allerdings nur ganz kurz, da sie nur schnell den Bach überquerten und in den Wald verschwanden.
Gegen frühen Nachmittag waren wir oben am Gletscher, und obwohl es am Morgen noch leicht geregnet hatte, war die Aussicht richtig schön. Leider ließen uns auch dort die Mücken nicht in Ruhe… Auf der Abfahrt verlor ich dann leider meine Regenhose und wir haben die nicht mal mehr gefunden, als wir direkt danach nochmal hochfuhren zum Suchen. Bis heute haben wir keine Ahnung, was mit der passiert sein könnte.
Auf dem Rückweg hielten wir noch einmal an der Fish Creek Plattform und hatten so Glück! Ein großer Grizzlybär verbrachte etwa eine Stunde im Bach, fing immer wieder einen Fisch und aß den dann seelenruhig direkt vor unserer Nase. Und als ob das nicht genug gewesen wäre, sahen wir sogar noch die ersten Murmeltiere und einen Baby-Bieber.

6 thoughts on “Whitehorse nach Stewart: Zwischen Natur und Wildtieren auf dem Cassiar Highway”

  1. Ingrid und Volker Schwarz sagt:
    September 7, 2025 um 6:19 pm Uhr

    Die Berichte werden immer spannender- es ist so toll, in Gedanken mit euch mit zu radeln. Eure „tierischen Begegnungen“ machen uns fast neidisch. Bleibt fit und grüßt Grizzly von uns!

    Antworten
    1. Lilith Hollich sagt:
      September 14, 2025 um 5:14 pm Uhr

      Danke! Grizzlybären haben wir seitdem nicht mehr gesehen, aber den ein oder anderen Schwarzbären hätten wir grüßen können 😉

      Antworten
  2. Hans-Reiner Soppa sagt:
    September 8, 2025 um 7:44 am Uhr

    Auf die Bärenbegnungen wäre ich nicht so gespannt… Die können ganz schön wild werden.

    Antworten
    1. Lilith Hollich sagt:
      September 14, 2025 um 5:11 pm Uhr

      Das stimmt! Wir haben schon die eine oder andere Geschichte von anderen Radfahrenden gehört… Wir geben uns aber größte Mühe, schlimme Begegnungen zu vermeiden und bis jetzt ist alles gut gegangen:)

      Antworten
  3. Egger Markus sagt:
    September 8, 2025 um 8:33 am Uhr

    Guten Tag zusammen,
    Eure Erlebnisse werden immer spannender Einfach Wunderbar !!
    Wir wünschen Euch weiterhin dass alles was ihr vor habt in Erfüllung geht.

    Liebe Grüsse Markus und Ilse

    Antworten
    1. Sebastian sagt:
      September 14, 2025 um 5:30 pm Uhr

      Hoi Ätti, hoi Grosi,
      Vielen Dank fürs lesen! Die Erlebnisse kommen wie von selbst, sie in Worte zu fassen ist hingegen die wahre Kunst.
      Grüessli, Sebi

      Antworten

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