| 11 Fahrradtage | 711 km | 11.517 hm | 6 Aras |
Interaktive Karte unserer Route von Mazatlan nach Zacatecas
Mazatlán
Da waren wir also – endlich auf Mexikos Festland! Wir hatten vorher einige Male gehört beziehungsweise gelesen, dass die Baja California als „Mexiko Light“ bezeichnet wird und ganz anders als das Festland sein soll. Und tatsächlich fühlte es sich schon ein wenig so an. Auf der Baja California war alles recht touristisch, und es verging glaube ich kein Tag, an dem wir nicht mindestens ein europäisches, amerikanisches oder kanadisches Nummernschild auf der Straße sahen. Gerade bei La Paz und La Ventana sahen wir gefühlt mehr Reisende als Einheimische. Aber versteht uns nicht falsch – die Baja gefiel uns richtig gut! Die Überfahrt aufs Festland fühlte sich allerdings schon fast so an, als hätten wir eine richtige Grenze überquert. Zumindest wurde unser Sicherheitsempfinden nochmal gut durchgerüttelt! Als ich angefangen habe, den Beitrag zu schreiben, waren wir schon etwa zwei Monate auf dem Festland unterwegs und fühlten uns pudelwohl. Alles ist bunt, lebhaft, laut, staubig, chaotisch und einfach wunderbar. Aber von vorne:
Am frühen Vormittag rollten wir in Mazatlán von der Fähre und machten uns auf den Weg zu unserem Hotel. Auf dem Weg dahin begeisterte uns die bunte und süße Innenstadt schon und wir freuten uns, dass wir uns entschieden hatten, den angefangenen Tag noch dort zu verbringen und erst am nächsten Tag loszufahren. Sebi und ich liefen eine Weile recht planlos durch die Innenstadt und genossen das Chaos. Zusammen mit Kris fuhren wir später mit einem kleinen Bus zum Leuchtturm und liefen die viel zu vielen Stufen bis zur Aussichtsplattform hoch. Der Leuchtturm in Mazatlán ist angeblich der welthöchste! Also nicht der Turm selbst (der gleicht eher einem kleinen Häuschen), sondern auf die Höhe bezogen, auf der der Turm steht (157 Meter). Die Stadt hat außerdem mit 21 km auch eine der längsten Strandpromenaden der Welt.





Der alte Highway 40 zwischen Mazatlán und Durango
Von Mazatlán aus wollten wir nach Durango fahren. Seit 2013 gibt es einen neuen „Superhighway“, der die zwei Städte verbindet, wodurch der alte Highway 40 ein Traum für Motorrad- und Fahrradfahrende geworden ist. Mit unzähligen engen Kurven geht es durch kleine Dörfer vom Meer bis auf fast 3000 Meter über dem Meeresspiegel und von den Tropen bis ins Gebirge. Leider ist die Straße seit des neuen Superhighways auch bei den zwei lokalen, konkurrierenden Kartellen beliebt und daher immer mal wieder etwas problematisch. Schießereien zwischen den Kartellen und/oder Ausschreitungen mit dem Militär können nicht ausgeschlossen werden – wozu man dazu sagen muss, dass die Kartelle oft selbst die Straßen sperren und Touristen und Zivilisten wohl selten bis nie das Ziel sind. Ganz wohl fühlten wir uns bei der Sache natürlich trotzdem nicht, gleichzeitig war es aber schwierig, Informationen zur aktuellen Lage zu bekommen. Wir hatten uns schon im Vorfeld mit anderen Radreisenden diesbezüglich ausgetauscht und für uns ergaben die wenigen anderen Optionen noch weniger Sinn. Für diesen Abschnitt hatten wir uns mit Kris zusammengetan und waren guter Dinge!
Am Morgen unserer Abfahrt hatten wir uns zu dritt darauf geeinigt, zuerst auf dem neuen Superhighway loszufahren und erst gegen Abend auf den alten Highway zu wechseln und zum Übernachten in einem kleinen Dorf anzuhalten. Auf dem Superhighway hat man nämlich so gut wie keine Möglichkeiten, den Highway zu verlassen, um irgendwo zu schlafen! Auf der Hauptstraße aus Mazatlán raus haute uns dann direkt der nächste kleine Kulturschock um – der Geruch! Entlang des Highways stank es die ganze Zeit nach irgendwas – sei es Müll, Pisse oder tote Tiere… definitiv gewöhnungsbedürftig. Auf dem neuen Highway hatten wir dann einen breiten Seitenstreifen und wurden von allen mit gebührend Abstand überholt. Auch die Nationalgarde fuhr an uns vorbei und hielt kurz darauf an, um mit uns zu reden. Sie rieten uns davon ab, auf dem alten Highway zu fahren, wir sollten doch noch bis zu der und der Brücke fahren, da könnten wir schlafen. Dass das allerdings für drei Reisende auf dem Fahrrad am späten Nachmittag noch viel zu weit weg sein könnte, war ihnen nicht bewusst. Wir wechselten kurz darauf also doch wie geplant auf den Highway 40 und bereuten es kein bisschen. In Copala schliefen wir bei einem älteren Einheimischen, in dessen Garten wir unter Bananenpflanzen zelten durften und der uns viel über die aktuelle Lage erzählte. Wir lernten, dass das Militär erst vor ein paar Tagen in der Gegend präsent war und sich die Kartelle deswegen mehr in den Dschungel zurückgezogen hatten – zu einem besseren Zeitpunkt hätten wir gar nicht da sein können.


Die nächsten zwei Tage waren zwar wunderschön, aber auch unfassbar anstrengend. Als wir das Dorf Copala verließen, sahen wir Aras in den Bäumen und generell fühlte es sich sehr tropisch an; mit Bäumen, die wir noch nie gesehen hatten, ganz neuem Vogelgesang und einer kräftezehrenden Kombination aus Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit. Innerhalb von zwei Tagen legten wir 100 Kilometer zurück – mit insgesamt 3500 Höhenmetern! Wir kamen an vielen verlassenen Dörfern und Restaurants vorbei. Gründe dafür werden sowohl der neue Superhighway als auch die hohe Kartellaktivität gewesen sein… In El Palmito sahen wir das erste (und einzige Mal) ein Kartellfahrzeug, wessen Insassen sich aber gar nicht für uns interessierten. Die Straße war wirklich wunderschön. Man merkte, dass es seit Jahren keine Hauptstraße mehr war, denn die Schlaglöcher waren teilweise beeindruckend groß und die Straße war dank Bäumen und heruntergefallenen Steinen nicht mehr überall so breit, wie sie mal gewesen war. Wir sahen nur wenige Menschen oder Fahrzeuge. Je weiter oben in den Bergen wir waren, desto beeindruckender wurde die Aussicht – in alle Richtungen nur saftiges Grün und ein Berg hinter dem anderen, so weit das Auge reichte! Irgendwann wechselte die Landschaft von tropisch zu Pinienwald.








Als wir das Städtchen La Ciudad erreichten, änderte sich die Atmosphäre langsam und wir sahen wieder mehr Menschen und Leben auf den Straßen. Alle schienen mit Holz zu heizen, denn dichter Rauch hing über dem Ort und es sah richtig nach Winter aus. Wir fragten zur Abwechslung mal wieder bei einem Restaurant am Straßenrand, ob wir bei ihnen zelten könnten und wurden herzlich empfangen. Wir durften den kompletten Außenbereich nutzen, bei dem es sogar zwei Toiletten und überdachte Picknicktische gab. Als wir am nächsten Tag nach Durango fuhren, regnete es doch tatsächlich kurz. Aber nur ganz kurz. Zur Abwechslung ging es mal mehr bergab als bergauf. In der Stadt angekommen, trennten wir uns erst einmal von Kris, denn wir hatten uns für unterschiedliche Unterkünfte entschieden.





Durango
Sebi und ich verbrachten einen Tag in Durango, den wir neben Einkaufen und Wäsche waschen auch für ein wenig Stadt Erkunden nutzten. Wir trafen uns mit Kris und gingen zu dritt ins Museum „Túnel de Minería“ – ein Museum über die Bedeutung des Bergbaus in der Region, welches in einem Tunnel unter der Stadt ist, in dem früher einmal Silber abgebaut wurde. Es ist klein und eher eine „Vorführungsmine“, aber trotzdem recht interessant. Die haben doch tatsächlich damals dran geglaubt, dass die Tunnel einstürzen würden, wenn Frauen die Minen betreten, weswegen ein strenges Frauenverbot herrschte… Mit einer Gondel fuhren wir zu einem kleinen Aussichtspunkt – die Gondelfahrt war allerdings so kurz, dass man genauso gut hätte laufen können und den Rückweg gingen wir dann auch zu Fuß.






Durango nach Valparaíso
Von Durango aus fuhren Sebi und ich vorerst zu zweit weiter, da Kris noch einen Tag länger in der Stadt bleiben wollte. Wir kamen durch einige kleinere Dörfer und genossen es, uns an das mexikanische Leben außerhalb der größeren Städte zu gewöhnen. Die Straßen waren ein Abenteuer für sich und der Übergang zwischen angenehmem Asphalt und durchgeschüttelt werden war fließend und häufig. Genauso wie schon der Geruch, war auch die Lautstärke gewöhnungsbedürftig. Die LKWs und Autos sind generell viel lauter hier, nicht wenige Autos fahren mit großen Megafonen auf dem Dach herum und preisen entweder Ware an oder lassen Musik laufen, die keine Lautstärkebegrenzungen kennt. Dazu bellen Hunde, irgendwo hört man Signalraketen und irgendjemand versucht ständig, einem etwas zu verkaufen. Manch einer reitet auf seinem Pferd ins Dorf, das scheint hier auch ziemlich normal zu sein. In Chalchihuites hielt uns die lokale Polizei an und wir dachten erst, erst wären Männer, die sich nur als Polizei ausgeben und uns jetzt irgendwas Böses wollen. Tatsächlich fragten sie aber nur, ob wir Hilfe bräuchten und gaben uns sogar eine Visitenkarte, falls was sein sollte. In Mexiko gibt es aber auch so viele unterschiedliche Polizeieinheiten, dass man gar keinen Überblick mehr hat!



Nachdem wir so viele Tage verschont geblieben waren, holte uns leider das schlechte Wetter doch nochmal ein. Als wir mit dem Anstieg aus einem kleinen Dorf begannen, war der Himmel dunkel und der Wind nahm zu. Zu unserem Glück ließ der Regen noch etwas auf sich warten, aber als wir nach ein paar Stunden an einer kleinen, relativ verlassenen Häuseransammlung ankamen, war es einfach nur noch unangenehm. Es war kalt, es war windig und es schüttete wie aus Eimern! Hätte es beim ersten richtigen Regen nach soo langer Zeit nicht wenigstens warm sein können? Es war eh schon recht spät und wir suchten uns einen Platz zum Zelten in einem Waldstück nicht weit entfernt. Am nächsten Tag fuhren wir noch weiter bergauf, bis wir auf 2847 Metern waren – unserem höchsten Punkt in Mexiko bis dahin! Die Abfahrt war leider sehr holprig und dauerte gefühlt ewig.



Die letzte Bergkette auf dem Weg nach Zacatecas
Zwischen uns und der Stadt Zacatecas lag noch eine Bergkette, also schon wieder bergauf. In Valparaíso gingen wir morgens noch zu einem Gemüse- und Obsthändler zum Einkaufen. Wir kamen mit ihm ins Gespräch und er bot uns nicht nur Kaffee und Tee an, sondern bestand auch noch darauf, uns den halben Einkauf zu schenken! An dem Tag waren irgendwie alle sehr interessiert an uns. Beim Herausfahren aus dem Städtchen begleitete uns jemand auf seinem Roller, und als wir an einer Tankstelle hielten, um unsere Jacken auszuziehen, sprachen uns noch vier weitere Männer an. Es stellte sich heraus, dass der auf dem Roller selbst viel Rad fährt, „aber um die Jahreszeit wäre es ja viel zu kalt!“. Es waren 22 Grad im Schatten.
Obwohl wir an dem Abend relativ abgelegen auf einer Schotterstraße in den Bergen waren, gestaltete sich die Schlafplatzsuche schwierig, da wirklich jeder Meter neben der Straße eingezäunt war. Am Ende schlugen wir unser Zelt einfach direkt neben der Straße auf, leicht hinter einem Baum versteckt. Sebi hat die Nacht ein einziges Auto gehört, aber das wars auch schon. Dafür war es zur Abwechslung einfach mal still. Kein Hundebellen, keine Esel, Hühner oder Truthähne, kein Autolärm, keine Musik, kein Feuerwerk, gar nichts. Nicht mal Wind oder Regen!



Der folgende Morgen war kalt, aber wunderschön. Die Morgensonne ging langsam hinter den echt schönen Felsformationen auf und wir guckten beim Fahren begeistert um uns. Irgendwann kamen wir auf asphaltierte Straße und die Abfahrt bis in die Stadt Jerez war zur Abwechslung mal eine angenehme. Die Stadt gehört zu Mexikos „Pueblos Mágicos“, Ortschaften in Mexiko, die vom Land als besonders sehenswert ausgezeichnet wurden. Auch hier wurden wir wieder einige Male angesprochen und interessiert ausgefragt. Sebis Spanisch wird übrigens immer besser – zumindest kann ich ihn mittlerweile den Smalltalk schon quasi alleine machen lassen! Die letzten Kilometer nach und in Zacatecas wurden noch ziemlich anstrengend. Es gab viele Spuren, viel Verkehr und unzählige verwirrende Ausfahrten, sogar durch einen kleinen Tunnel mussten wir durch. Unsere Warmshowers Unterkunft lag direkt im Zentrum. Oben auf dem Dach des Hauses gab es ein kleines Zimmer, ein Bad und ganz viel Platz und Aussicht! So cool, und hier durften wir einfach so lange bleiben, wie wir wollten. Unten im Haus gibt es ein Restaurant, das dem Sohn von unserem Host gehört, da konnten wir uns an dem Abend natürlich nicht mehr zum Kochen motivieren.

Zacatecas
Zacatecas überraschte uns total. Auf dem Rad haben wir so wenig Zeit, im Voraus zu planen und meistens reicht es gerade mal so für Routenplanung für die kommenden Tage. Dadurch kommen wir oft komplett ohne Plan oder Erwartungen in Städten an – und in Mexiko haben uns die Städte bis jetzt alle so positiv überrascht! Ein Tag war für Fahrrad-Maintenance und Blogschreiben eingeplant, der zweite für Sightseeing. Einen Tag nach uns kam Kris an und übernachtete beim selben Warmshowers Host wie wir. Zusammen erkundeten wir die Stadt, angefangen beim Museum „Mina El Edén“ – ein echt interessantes Museum in einer ehemaligen Mine. Hier wurden früher Gold, Silber, Eisen, Bronze, Blei und Zink abgebaut. Unterirdisch gibt es noch ein kleines Gesteins- und Mineralienmuseum, mit richtig coolen Fossilen und sogar fluoreszierenden Steinen! Angeblich sogar einen Nightclub, aber in dem waren wir nicht… Anschließend nahmen wir die Gondel nach oben zum Cerro de la Bufa. Dort gab es einiges zu sehen, wir genossen hauptsächlich die Aussicht und besuchten das kleine Museum „Toma de Zacatecas“, welches der mexikanischen Revolution und der damit verbundenen Schlacht in Zacatecas von 1914 gewidmet ist.






Bergab gingen wir zu Fuß und nach einer Abkühlung mit frischem Eis besuchten wir noch ein weiteres Museum – das „Museo Rafael Coronel“. Dieses absolut überwältigende Museum ist in einem ehemaligen Kloster untergebracht, welches alleine schon einen Besuch wert wäre. Hier sind unter anderem Werke von Rafael Coronel selbst – ein bekannter mexikanischer Künstler – zu sehen, als auch seine Sammlung von Masken, welche die größte der Welt zu sein scheint. Die Unmengen an Masken waren schon sehr beeindruckend, zusätzlich gab es noch mehr Räume, in denen Dinge wie Töpferei aus verschiedenen Regionen Mexikos oder Werke Diego Riveras zu sehen waren.






Veröffentlicht am 19. April 2026
Erlebt vom 16.01.2026 – 01.02.2026
