| 19 Fahrradtage | 1247 km | 12.826 hm |
Unsere Route durch Costa Rica und Panama
Costa Rica
Wir waren noch gar nicht lange in Costa Rica und fühlten uns viel wohler als in den Ländern davor. Einziger Dämpfer waren die vergleichsweise hohen Preise – schon fast wie in der Schweiz! Im Gegensatz zu Mexiko, wo wir uns an jeder Tankstelle kalte Getränke und Eis kaufen konnten, ohne überhaupt über die Preise nachzudenken, ging das hier nicht mehr mit gutem Gewissen. An unserem ersten Tag in Costa Rica hielten wir vormittags neben einer Polizeikontrolle im Schatten, um uns einzucremen. Die Polizistin war super interessiert, stellte ganz viele Fragen und schenkte uns am Ende noch ihre Ration Frühstück von dem Tag, die sie selbst nicht gebraucht hatte. Es war heiß und windig und wir freuten uns über unsere neuen Sun Hoodies, die wir seit ein paar Tagen hatten. Endlich mussten wir nur noch das Gesicht und die Beine eincremen! Sonnencreme war nämlich auch einfach unverschämt teuer hier, also wirklich. Fast 20€ für so eine normalgroße Flasche – und bei mehrmals eincremen pro Tag halten die bei uns wirklich nicht lange!


In Liberia angekommen, holten wir noch unser Paket aus Mexiko ab – endlich hatten wir unsere Drohne wieder, juhu! Eine ganz liebe Besitzerin von einem Hotel hatte uns geholfen und das Paket vor ein paar Wochen sogar bei DHL in der Filiale abgeholt, damit es nicht zurückgeschickt wird (das war mal wieder alles etwas chaotisch).
Monteverde
Von Liberia aus ging es für uns in die Berge – Sebi hatte vor einiger Zeit Videos von Monteverde gesehen und wollte unbedingt dorthin. Monteverde liegt auf etwa 1300 Meter Höhe und ist geprägt von immergrünen tropischen Nebelwäldern. Flora und Fauna dort sind einzigartig und mit Glück kann man viele faszinierende Tiere sehen. Die Straße dorthin war mit das steilste, was wir bis jetzt gefahren sind. Lange Abschnitte mit 20% Steigung und mehr. Und immer wieder ging es für kurze Zeit bergab! Da konnte man sich dann nicht mal auf eine schöne Abfahrt später freuen.



Am nächsten Tag kamen wir gegen Mittag in Santa Elena beziehungsweise Monteverde an und wurden herzlichst begrüßt von unserer Gastgeberin. Ellen heißt schon seit vielen Jahren Radreisende bei sich zu Hause willkommen und wir genossen ein paar entspannte Tage in ihrem wunderschönen, lichtdurchfluteten Haus. Nach der Hitze in den vergangenen Wochen kamen uns die angenehmen Temperaturen von etwa 25°C dort oben schon fast kalt vor! Aber es war wirklich angenehm.
Unsere zwei Freunde aus den USA, die mit dem Motorrad reisen und die wir das erste Mal in Belize getroffen haben, waren zufällig gleichzeitig mit uns in Monteverde. Wir verabredeten uns für einen Vormittag und erkundeten zusammen das Curi Cancha Reserve, eins von vielen Reservaten in der Region. Von den vielen coolen Tieren, die es hier gibt, sind die meisten nachtaktiv. Schon der Wald alleine war echt schön und wäre auch so einen Besuch wert gewesen. Wir sahen viele Kolibris und am Ende sogar noch ein paar Tukane. Abends gingen wir noch zu viert in ein Café/Restaurant, aber das macht in Costa Rica finanziell nun wirklich keinen Spaß.








Saftiges Grün und viele Wildtiere
Die Abfahrt von Monteverde Richtung Vulkan Arenal war leider wie erwartet sehr anstrengend. Immer wieder ging es für kurze Zeit steil bergauf. Die Straße, die danach folgte, war allerdings so schön! Unbefestigt, kurvig, leicht hügelig. Ab und zu mussten wir flache Flüsse beziehungsweise Bäche durchqueren. Das schien üblich zu sein für die Strecke, denn viele der lokalen Motorrad- und Rollerfahrer trugen Gummistiefel. Alle Pflanzen hatten saftig grüne und riesige Blätter. Auf der Straße waren wir allerdings auch sehr viel langsamer als gedacht und so suchten wir uns abends spontan einen Platz zum Wildcampen in der Nähe von einem Fluss. Wir stellten unser Zelt nur wenige Meter neben der Straße im Gebüsch auf, aber es fühlte und hörte sich so an, als wären wir mitten im Dschungel! Kurz zuvor hatten wir noch einen Ameisenbär entdeckt, die sind ja auch mal so süß.



Beim Losfahren am nächsten Morgen entdeckten wir wunderschöne Tukane im Baum. Entlang der Hauptstraße, die um den Vulkan Arenal führt, kamen wir an einem fancy Spa & Hot Springs Hotel nach dem anderen vorbei. Alle mit ganz vielen Sternen und garantiert viel zu teuer für uns. Wir schlugen unser Zelt lieber noch einmal in der Nähe von einem Fluss auf und lauschten den Brüllaffen und Papageien über unseren Köpfen.



Wir zelteten eine Nacht bei jemanden, der wohl viele Faultiere in seinem privaten Waldstück hat. Wir gingen abends noch eine Runde durch den Wald dort spazieren, konnten allerdings keine entdecken, so sehr wir uns auch anstrengten. Ist aber auch schon nicht einfach, die bewegen sich ja gar nicht! Dafür gingen wir abends im Garten noch auf Froschsuche, und fanden tatsächlich einen Rotaugenlaubfrosch und eine riesige Kröte. Außerdem wuchsen dort noch ein paar echt coole Pflanzen, unter anderem Kaffeebäume. Tagsüber wuselte es dort nur so von allerhand bunten Vögeln, allerdings wurden die auch gefüttert…





Viel Regen an der Karibikküste
Nach einem langen und anstrengenden Tag mit viel Regen kamen wir endlich an der Karibikküste an – etwas, auf dass ich mich schon lange gefreut hatte! Allerdings habe ich wirklich kein Glück mit schönen Orten am Meer, denn wann immer ich da bin, ist das Wetter schlecht oder das Meer aus irgendwelchen anderen Gründen nicht schön. So auch dann, und das eigentlich türkisblaue Meer war braunrot, sandig und sehr unruhig.


Nach einer Nacht im Zelt fuhren wir noch etwa eine Stunde weiter bis zu dem kleinen Ort Cahuita. Ganz in der Nähe gab es eine schöne Unterkunft, die von Schweizern betrieben wird. Wir hatten uns ein Doppelzimmer in einer großen Holzhütte gebucht und blieben ein paar Tage dort. Eigentlich lag es direkt am Meer, aber wir verließen die Unterkunft wenig. Das Wetter war durchgehend schlecht und es regnete und gewitterte während unseres gesamten Aufenthaltes fast ohne Pause. Trotzdem fanden wir Zeit, ein bisschen im Pool zu entspannen und im Garten auf Suche nach nachtaktiven Tieren zu gehen. Wir sahen zwei kleine Schlangen, noch so einen coolen Frosch mit roten Augen, einen riiieesigen Tausendfüßler und kleine bunte Pfeilgiftfrösche. Nachmittags hing ein Faultier direkt über dem Pool und bewegte sich sogar.





Viele Bananenplantagen und ein chaotischer Grenzübergang
Wir verabschiedeten uns von den gemütlichen Cabañas und fuhren auf der Hauptstraße Richtung Panama. Die Straßen waren zu beiden Seiten gesäumt von Bananenplantagen, und zusätzlich zu den Pflanzen selbst sahen wir dort auch noch viele Stationen der Weiterverarbeitung. Arbeiter zogen die Seilbahnen wie an einer Leine aus der Plantage in die Hallen, in denen sie gewaschen und in Kartons verpackt wurden. Mittags kamen wir an der Grenze an und das war die vielleicht chaotischste Grenze bis jetzt. Direkt an der Hauptstraße gelegen, ohne richtige Ein- oder Ausreisegebäude. Überall liefen Fußgänger zwischen den LKWs hindurch und Schilder gab es auch nicht. Wir entdeckten den Posten zum Ausreisen – eine Container mit Fenster am Fußgängerstreifen. Die Ausreisegebühr von acht US Dollar hatten wir schon online gezahlt. Wir rollten über die Brücke und mussten auf der anderen Seite irgendwo in eine Nebenstraße abbiegen, um das Einreisebüro zu finden. Danach mussten wir dann nochmal zu einem anderen Container fahren, bei dem wir die Tourist Tax für Panama zahlen mussten. Vor Ort sagte uns das keiner, und zum Glück hatten wir uns vorher informiert. Denn angeblich gibt es etwa 20 Kilometer nach der Grenze einen Militär-Checkpoint, die einen wieder zur Grenze zurückschickten, wenn man die 4 US Dollar Einreisegebühr nicht gezahlt hat…


Panama war unser zehntes Land auf der Reise, und damit hatten wir tatsächlich alle Länder vom Festland Nordamerikas mit dem Fahrrad bereist! Die Bananenplantagen gingen nach der Grenze munter weiter, als hätte es gar keine Grenze gegeben. Wir fuhren noch bis Almirante und schafften es gerade so vor dem Regen zu der Unterkunft, die wir uns ausgesucht hatten. Am Abend mussten wir noch eine wichtige Sache organisieren. Sebis Nabendynamo hatte vor einiger Zeit angefangen, kaputt zu gehen. Wir waren zwar schon in Kontakt mit dem Hersteller und bekamen Ersatz angeboten, mussten uns aber noch darum kümmern, wie wir den am besten nach Kolumbien bekommen. Internationaler Versand ist einfach so teuer und unberechenbar! Über eine Whatsapp-Gruppe fand ich dann aber tatsächlich jemanden, die von Deutschland nach Kolumbien fliegt und uns den mitbringen kann.
Unsere Route führte uns zwei Tage lang durch die Berge, was zwar anstrengend, aber echt auch schön war. Stundenlang schwitzten wir wie zwei Wasserfälle, als wir bergauf fuhren. Irgendwann waren wir so weit oben, dass mir durch das nasse Oberteil beim Anhalten schon zu kalt war und ich was drüber ziehen musste. Die Aussicht war allerdings echt schön und wir verbrachten eine Nacht in einem Hostel, was ganz experimentell in den Hang gebaut wurde. Zusätzlich war es zu allen Seiten irgendwo offen und ich hatte die ganze Zeit Angst, dass mir irgendwas runterfällt. Der folgende Tag startete mit über 1000 Metern bergab. Wie schon in Guatemala waren die LKWs auch hier verdammt laut. Dieses Mal habe ich endlich mal dran gedacht, es zu messen und es sind einfach über 120 dB, wenn die LKWs den Berg runter knattern! Kein Wunder tat uns das in den Ohren weh.






Wir zelteten bei einem netten Restaurant-Besitzer im Garten, der oft Reisende bei sich übernachten lässt. Er zeigte uns allerlei coole Pflanzen in seinem Garten. Unter anderem den Akee-Baum und die Wunderbeere. Der Akee-Baum war faszinierend – solange die Früchte geschlossen sind, sind sie hochgiftig und können sogar zum Tod führen. Sobald die sich von selbst geöffnet haben, sind die “Kerne” allerdings essbar und schmecken tatsächlich gar nicht schlecht, ein bisschen wie Pinienkerne. Akee ist die Nationalfrucht von Jamaika und wird dort mit Fisch zubereitet. Die Wunderbeere verändert die Geschmackswahrnehmung komplett. Saures wird plötzlich als süß wahrgenommen – und tatsächlich, die Limette schmeckte plötzlich eher wie eine saftige Orange.
In Panama machte sich die Anstrengung der Hitze der letzten paar Monate endgültig bemerkbar. Wir waren körperlich und mental ziemlich erschöpft. Wir brauchten mehr Pause, kürzere Tage und sehnten uns nach Kolumbien und unserer geplanten Pause in Medellín. Die letzten paar hundert Kilometer nach Panama Stadt zogen sich extrem. Es war durchgehend sehr heiß, regnete und gewitterte aber auch immer öfter gegen Abend/nachts, was das Zelten für mich beziehungsweise uns nicht gerade entspannter machte. Durch die Hitze hatten wir beide, aber vor allem ich, große Probleme, überhaupt genug zu essen. Mittags nahm ich meistens nur kalte Cola oder Gatorade zu mir, um wenigstens irgendwas an Energie aufzunehmen. Sebi fing an, zu kränkeln und war leicht fiebrig, woraufhin wir noch weniger fuhren und Pausetage einlegten, wann immer wir uns an einem Ort wohl genug dazu fühlten.
Richtung Panama Stadt gibt es nur den Panamerican Highway, der gerade bei Fahrradreisenden keinen guten Ruf hat. Er ist geprägt von viel Verkehr und es gibt keine Alternativen. Zum Glück hat er in unsere Richtung fast durchgehend einen Seitenstreifen gehabt, der uns nur bei Brücken und in Städtchen im Stich ließ. Eine Nacht übernachteten wir bei einer Tankstelle, die kostenlose Duschen, Waschmaschinen und eine Wiese zum Zelten hat, ein anderes Mal bei einem Fußballfeld in einem kleinen Dorf, und sonst in günstigen Hotels mit Klimaanlage. In Santiago de Veraguas gab es ein kleines Highlight – ein interaktives Museum über den Panamakanal! Ein bisschen komisch gelegen, war der Panamakanal doch noch ein ganzes Stück weg, aber wirklich toll gemacht. Mit vielen kleinen Ausstellungsstücken aus der Zeit der Konstruktion und Anregungen zum kritisch hinterfragen. Es gab sogar einen Simulator, bei dem man ein Containerschiff durch den Kanal fahren konnte.


Panama Stadt
Der letzte Tag nach Panama Stadt war alles andere als langweilig. Wir folgten der Empfehlung von einem Radfahrer vor uns und machten einen kleinen Schlenker über Veracruz, um wenigstens für ein paar Kilometer dem Highway zu entkommen. Da stellte sich als abenteuerlicher heraus, als gedacht, denn nach einem kurzen Stück Radweg bogen wir auf eine zwar fertige, aber noch nicht angeschlossene Autobahn ab. Die war zwar schön zum Fahren, aber am anderen Ende mussten wir dann die Böschung runter und durchs Gebüsch, um die nächste Straße zu erreichen.
Zurück auf dem Panamerican Highway, mussten wir dann noch über die Bridge of the Americas kommen. Der Verkehr ist dort zwar normalerweise zweispurig in beide Richtungen, allerdings werden je nach Uhrzeit und Hauptverkehrsfluss die Spuren anders verteilt. Mit unserem Pech kamen wir wirklich genau dann bei der Brücke an, als die Spuren geändert wurden und es nur noch eine in unsere Richtung gab, und drei in die andere. Es war sehr eng, wir hatten fast keinen Platz und wir waren froh, als wir es bis ans andere Ende geschafft hatten.

Panama Stadt hat eine echt coole Umfahrungsstraße, die geht einfach einmal außenrum übers Wasser – und hat einen extra Anbau nur für Fußgänger und Radfahrende! Alle paar Meter gibt’s Bänke und Ferngläser, mit denen man die Wolkenkratzer aus nächster Nähe bestaunen kann (man musste nicht einmal Geld einwerfen). Wir hatten einen echt schönen Radweg fast bis zu unserer Unterkunft und die Fahrt in die Stadt selbst war überhaupt nicht unangenehm.
Im Hostel blieben wir ein paar Tage, unsere Fahrräder durften wir mitten in der Lobby parken. Die Zimmer hatten Klimaanlagen – leider so kalt eingestellt, dass ich sogar meinen Schlafsack auspacken musste, um nachts nicht zu frieren. An einem Tag machten wir den obligatorischen Besuch des Panamakanals. Wir waren direkt morgens um 08 Uhr dort, und es war schon so voll mit Menschen! Auf der Aussichtstribüne sahen wir dann gerade noch, wie ein Containerschiff in eine der Schleusen angehoben wurde. Viel Platz ist da wirklich nicht zwischen Schiff und Schleuse! Rechts und links wird es von kleinen Loks geführt, schon spannend. Danach konnten wir in einem IMAX Kino noch einen Film über den Kanal gucken. Der war zwar schon interessant, aber hauptsächlich für die Landschaftsaufnahmen beeindruckend und irgendwie etwas… verherrlichend. Viel kritische Berichterstattung gab’s da nicht, und Sebi und ich waren beide froh, dass wir noch in dem kleinen Museum in Santiago gewesen waren.


Veröffentlicht am 7. August 2026
Erlebt vom 08.05.2026 – 05.06.2026
