| 11 Fahrradtage | 880 km | 7630 hm |
Unsere Route von El Salvador bis nach Costa Rica
El Salvador
El Salvador gefiel uns direkt richtig gut. Der Verkehr war um einiges geordneter als in Guatemala und es schien sogar eine Helmpflicht für Motorradfahrende zu geben. Das änderte allerdings nichts daran, dass trotzdem noch alle irgendwie auf und in irgendwelchen Fahrzeugen mitfuhren… In Santa Ana kümmerten wir uns um Bargeld (die nutzen hier US-Dollar) und gingen einkaufen. Kleiner Fun Fact von Sebi: Die Sonne stand an dem Tag am Mittag für kurze Zeit exakt 90° über uns, wodurch alles entweder einen super kleinen Schatten hatte oder gar keinen. Schon die Wochen zuvor stand die Sonne fast senkrecht über uns, wodurch wir wirklich wenig bis gar keinen Schatten hatten und mittags zwei bis drei Stunden Pause machten, um der Mittagssonne zu entfliehen.
Zum Glück ging es ab Santa Ana erstmal nur noch bergauf, denn obwohl der Anfang schweißtreibend und anstrengend war, wurden die Temperaturen irgendwann doch merklich kühler. Wir übernachteten bei einer kleinen Farm auf über 1000 Meter und ich hatte an dem Abend das erste Mal seit langem wieder lange Sachen an.



Ruta de las Flores und die Küste
Über Teile der Ruta de las Flores fuhren wir von den Bergen Richtung Küste. Dort war es natürlich direkt wieder unglaublich heiß – das werde ich wahrscheinlich noch einige Male schreiben, aber unsere ganze Zeit in Zentralamerika war einfach hauptsächlich geprägt von sehr heißen Temperaturen. Immerhin konnte ich fleißig reife Mangos am Straßenrand sammeln. Die Küste El Salvadors ist wohl ein Traum zum Surfen und mittlerweile recht touristisch, wir waren überrascht, wie viele junge Rucksackreisende wir auf einmal sahen. Viele neue, sehr amerikanisch wirkende Einkaufszentren scheinen in den letzten paar Jahren aus dem Boden geschossen zu sein, und an amerikanischen Fast Food Ketten mangelte es definitiv nicht. Der Kontrast zwischen der Touristenregion und den einfachen Wellblech- und Holzhütten, die wir am Tag zuvor in den Bergen noch gesehen hatten, war schon krass.
Wir zelteten die Nacht am Strand, konnten aber leider aus mehreren Gründen überhaupt nicht schlafen. Erstens war es soo unfassbar heiß, es war bestimmt 35°C im Zelt. Wir schwitzten wie Wasserfälle, wenn wir nur reglos im Zelt lagen! Und dann fing es zu unserem Unglück am Horizont auch noch richtig stark an zu gewittern. Wer mich kennt, weiß, dass ich Gewitter wirklich nicht gerne habe, aber das fand nicht mal mehr Sebi lustig. Da wir überhaupt nicht einschätzen konnten, ob das Gewitter da bleibt oder sich zu uns bewegen würde, packten wir mitten in der Nacht unsere Sachen zusammen. Direkt am Wasser liegen wollten wir nun wirklich nicht! Leider gab es keine einzige – bezahlbare oder noch geöffnete – Unterkunft in der Nähe und am Ende schliefen wir noch ein paar Stunden ohne Zelt und von Mücken geplagt ein bisschen weiter weg vom Strand…



Gastfreundschaft in El Salvador
Auf nagelneuen Radwegen entlang von genau so neuen Highways ging es am nächsten Tag weiter. Ich entdeckte einen Cashew-Baum am Straßenrand. So interessant! Bei einer Tankstelle mit überdachter Picknickecke versuchen wir uns mittags mit kalten Getränken und Eis abzukühlen. Gegen Nachmittag kamen wir an einer Finca an, dessen Besitzer Radreisende umsonst bei sich übernachten lässt. Das Gelände war richtig schön, mit Pool (der mal wieder unbeheizt bei 30°C war), Kokospalmen, Mangobäumen, Bananenpflanzen und Kakaobäumen. Uns gefiel es so gut, dass wir spontan einen Tag Pause einlegten. Wir hatten sogar ein Gästezimmer mit Bett und Klimaanlage! Endlich mal wieder richtig schlafen. Ich nutzte die Gelegenheit und wechselte meinen Hinterreifen. Ich fuhr tatsächlich noch mit den Mänteln, mit denen ich in Alaska losgefahren bin – nach 16.000 Kilometern! Das ist extrem viel für einen gewöhnlichen Gravelreifen. Der hintere war mittlerweile schon fragwürdig stark abgefahren und da ich den Ersatz eh mit mir rumfuhr, war es jetzt wohl einfach so weit.



Wir kamen der Grenze mit Honduras immer näher, und am vorletzten Tag in El Salvador ging es mal wieder viel bergauf. An einer geeigneten Stelle hielten wir an, um den Verkehr hinter uns durchzulassen, und ein Polizeiauto hielt an. Zwei Offiziere kamen auf uns zu und fragten uns ganz interessiert über uns und unsere Reise aus. Sie brachten uns noch ein paar für hier typische, spanische Worte bei und empfohlen uns ein Hotel in der Nähe. Wir unterhielten uns bestimmt zehn Minuten mit denen! Zum Übernachten hatten wir uns allerdings schon ein Restaurant ausgesucht, bei dem man kostenlos zelten darf, wenn man vorher was im Restaurant konsumiert. Dort trafen wir – das erste Mal seit Ewigkeiten – auf einen anderen Radreisenden. Diego aus Chile war auch Richtung Patagonien unterwegs, und nach ein paar Minuten fanden wir heraus, dass er in Mexiko sowohl in Guanajuato als auch Zacatecas bei den gleichen Hosts gewesen war wie wir! So lustig.



El Salvador war richtig schön und wir waren etwas traurig, dass wir nur so wenig Zeit für das Land hatten. Wohin man guckte, sah man Vulkane, auf viele hätte man wahrscheinlich wandern können. Der Verkehr war echt angenehm, und es gab so viele neue Radwege. Wir fanden immer was zum Übernachten und die Menschen waren alle so nett zu uns! El Salvador wäre für uns definitiv ein Grund, noch einmal nach Zentralamerika zu reisen.
Honduras
In Honduras waren wir nur zwei Nächte, quasi auf der Durchreise nach Nicaragua. Unsere Erfahrung in Honduras war leider nicht so gut und vor allem ich hatte sehr schnell die Nase voll von allen Männern. Aber von vorne:
Immerhin die Einreise verlief angenehm reibungslos, wir zahlten jeweils 85 Lempiras (umgerechnet etwa 2,75€) und bekamen unsere Pässe gestempelt. Wie immer war es in der Grenzregion leicht sketchy, mit vielen unangenehmen Leuten, die einem überteuerte Sim-Karten verkaufen wollten oder Geldwechsel anboten. Mir wurde schnell bewusst, wie angenehm unsere zwischenmenschlichen Erfahrungen in den letzten Monaten doch eigentlich waren, beziehungsweise wie respektvoll die meisten Menschen doch gewesen waren, denn auf einmal pfiffen mir alle möglichen Männer nach. Aus jeder Altersgruppe, überall. Das zog sich durch ganz Honduras und dämpfte meine Laune leider sehr.
Die Nacht schliefen wir bei einer Tankstelle, die eine bekannte und sichere Anlaufstelle für Reisende ist, ob mit Fahrrad oder ohne. Es gab 24 Stunden Sicherheitsdienst, eine Wiese zum Zelten und sogar eine Dusche. Leider war es der Abend vor dem Feiertag am 01. Mai, und eine Gruppe Männer hatte sich genau die Tankstelle ausgesucht, um sich zu betrinken. Und alle waren mit dem Auto da! Wir versuchten, zu schlafen so gut es geht und jegliche blöden Anmachen in meine Richtung zu ignorieren. Was ein Start.
Am nächsten Tag saßen wir morgens um 06:30 Uhr auf dem Rad – und schwitzten bei 32°C im Schatten! Sebi hatte so viele kleine Löcher in seinem Mantel, die nicht mehr dicht hielten, dass er beschloss, genau jetzt wäre Zeit für einen neuen und so hielten wir bei einem Supermarkt im Schatten. Er wechselte seinen Mantel, während ich noch ein paar Dinge einkaufte. Ein Mann sprach uns an und wir waren froh über wenigstens eine nette Interaktion. Er brachte uns sogar kaltes Wasser aus dem Supermarkt mit, richtig nett! Für die Nacht hatten wir uns in Choluteca ein Hotel mit Klimaanlage ausgesucht, erstens gab es wenig Möglichkeiten zum Zelten und zweitens war es einfach viel zu heiß. Als ich später für unsere Statistik recherchierte, fand ich heraus, dass das tatsächlich der heißeste Tag war, den wir bis jetzt hatten – mit 41°C (105.8°F) im Schatten und hoher Luftfeuchtigkeit.



Nicaragua
Von Choluteca aus war es nicht mehr all zu weit bis nach Nicaragua. Während die Ausreise entspannt war, war die Einreise um einiges komplizierter. Wir mussten so viele Fragen beantworten, wie noch nie: Beruf, wie lange in Nicaragua, Reservierung von einem Hotel, etc. Außerdem Fingerabdrücke abgeben, Foto machen, 13 US Dollar zahlen… Und dann gab’s nicht mal einen Stempel im Pass! Danach wurden noch alle unsere Taschen gescannt. Nicaragua war eins der zwei Länder mit Drohnenverbot und obwohl wir sie theoretisch durchbekommen hätten, waren wir froh, die vorausgeschickt zu haben und uns darum keine Sorgen machen zu müssen.
Mit Nicaragua wurden leider auch nicht so wirklich warm. Viele Menschen gaben uns nicht gerade das Gefühl, willkommen zu sein, und ich musste weiterhin ganz viel Hinterherpfeifen aushalten. Tiere wurden noch schlechter behandelt, als wir es in den vorherigen Ländern gesehen hatten, und es war soo heiß! Bei einer weiteren Mittagspause mit 38°C im Schatten, merkten wir, dass wir uns beide die Arme verbrannt hatten, trotz Sonnencreme und fleißig Nachcremen. Kein Wunder, denn bei der Hitze floss ja alles direkt wieder weg! Für unsere langärmlige Merinokleidung war es leider viel zu heiß, aber uns blieb nichts anderes übrig.
Nicht weit von Managua durften wir bei Bomberos, der lokalen Feuerwehr, übernachten. Die sind vor allem in lateinamerikanischen Ländern dafür bekannt, dass sie Fahrradreisenden gegenüber nett und hilfsbereit sind und ich bin mir sicher, dass wir das noch öfter machen werden auf der Reise. Kurz vorher hatten wir eine echt schöne Aussicht auf einen See mit Vulkanen im Hintergrund.


In Managua verbrachten wir eineinhalb Tage. Wir hatten uns ein Zimmer mit Klimaanlage in einem Hostel gebucht – die war allerdings schon etwas älter und hatte Mühe damit, die extrem heiße Außentemperatur überhaupt abzukühlen! Wir verbrachten den ganzen Nachmittag in unserem Zimmer und genossen die wenigstens etwas angenehmeren Temperaturen. Am folgenden Tag kam endlich unser DHL Paket an, das wir uns vor einer Weile aus den USA bestellt hatten. Dort waren einige Dinge drin, die wir wirklich dringend brauchten, unter anderem Ohrstöpsel, die wir beim Fahren tragen können gegen den ganzen Verkehrslärm und dünne, atmungsaktive Sonnenschutzpullover. Sonnencreme brachte bei den Temperaturen und dem hohe UV-Index leider einfach nichts mehr. Sebi hat es mal nachgeguckt gehabt – der UV-Index war oft bei 11-13 über den Mittag, was schon extrem hoch ist. Das Abholen des Pakets war um einiges umständlicher als gedacht, wir mussten zur Zollstation am Hafen fahren und waren geschlagene drei Stunden da, bis wir unser Paket endlich hatten! In der Zeit wurden wir von Station zu Station geschickt, von Wartebank zu Wartebank und am Ende wurde sogar noch alles vor meiner Nase ausgepackt. Ein riesiges Chaos.
Einreise nach Costa Rica
Unsere letzten zwei Tage in Nicaragua waren angenehm ereignislos. Die Landschaft war unfassbar trocken, und durch die viele Landwirtschaft wurde viel Wald abgeholzt, was es nur noch trockener machte. Immerhin war die Straße weitestgehend eine Allee und es war recht schattig auf der Straße.




An der Grenze war mal wieder alles recht chaotisch. Haltet euch fest – wir mussten 1 US Dollar “Gemeindesteuer” pro Person zahlen, um in das Gebäude reinzudürfen, in das wir reinmussten, um ausreisen zu können. Zum Ausreisen selber dann auch nochmal drei US Dollar pro Person. Naja, immerhin gab’s dieses Mal wenigstens einen Stempel im Pass. Wie bei der Einreise schon mussten wir nochmal alle Taschen durch einen Scanner schicken. Der kurze Weg zur Grenzkontrolle in Costa Rica war alles andere als übersichtlich. Das Einreisegebäude war allerdings das schönste und modernste, was wir bis jetzt gesehen haben! Der Grenzbeamte ist auch super nett und ehe wir uns versahen, waren wir auch schon wieder draußen vorm Gebäude. Neues Land, juhu! Nach den nicht ganz so guten Erfahrungen in Honduras und Nicaragua die letzten Wochen freuten wir uns so richtig auf die Zeit in Costa Rica. Schon auf den ersten Kilometern nach der Grenze wirkt alles etwas grüner. Wir fuhren nicht mehr ganz so weit an dem Tag und hielten bei einer Finca von einem Schweizer Paar. Hier durften wir zelten und verbrachten einen entspannten Nachmittag im Schatten. In den Bäumen über der Finca wimmelte es nur so von Affen und die Besitzerin zeigte uns das Faultier, was am Eingang des Grundstücks in einem Baum entspannte. Soo cool!





Veröffentlicht am 27. Juli 2026
Erlebt vom 25.04. – 07.05.2026

Ihr Lieben
Danke vielmal für den neuen, spannenden Beitrag. Fast kann ich mitfühlen, wie mühsam die schier unaufhörliche Hitze ist. Bei uns ist mittlerweile auch alles unfassbar trocken und es wird in den kommenden Tagen wieder weit über 30 Grad heiss werden.☀️
Macht’s gut ihr beiden.
Liebi Grüessli vo daheim😘
Liebe Lilith, lieber Sebi
Danke für die Einblicke in eure Reise. Ich kann da ansatzweise ein bisschen mitfühlen und mitschwitzen da wor auch hier in 🇨🇭eine ungewöhnlich heisse und trockene Zeit erleben.
Geniesst Costa Rica und häbet Sorg.
Lg