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Unsere Route durch Ecuador
Nach Ecuador und über den Äquator
Die Ausreise aus Kolumbien verlief unkompliziert und in leichtem Nieselregen rollten wir über die Brücke nach Ecuador. Die Einreise dort verlief ebenso problemlos wie die Ausreise zuvor. Nachdem wir uns noch für fünf US Dollar eine lokale Sim-Karte gekauft hatten, fuhren wir unsere ersten richtigen Meter in Ecuador – natürlich bergauf! An dem Tag lagen mal wieder mehr als 1000 Meter Anstieg vor uns. Feuerwehrstationen in Ecuador haben einen sehr guten Ruf unter Fahrradreisenden und tatsächlich – schon am ersten Abend fragten wir bei einer Station und wurden wir mit offenen Armen willkommen geheißen.
In der Nähe von Ibarra hielten wir bei der Finca Sommerwind an – ein sehr bekannter Spot unter Overlandern. Gegründet wurde es von einem Deutschen und kombiniert Campingplatz mit Biergarten, deutschem Brot und deutschem Kuchen… Wir entschieden uns für einen Tag Pause, unsere Kleidung sah endlich mal wieder eine Waschmaschine und wir genossen frischgebackenes Brot.


Nach einem weiteren Tag Fahren überquerten wir den Äquator – nach etwas mehr als 13 Monaten und fast 20.000 Kilometern hatten wir es endlich auf die Südhalbkugel geschafft! Direkt neben der Straße gibt ein kleines Museum, das „Museo Solar – La Verdadera Mitad del Mundo“. Hier steht eine riesige Sonnenuhr, dessen Zentrum genau auf der Nulllinie ist und es gibt Infos zu Vermessung, Orientierung und Sonnensystem. Wir durften sogar die Fahrräder mit reinnehmen und Fotos machen. Zum Glück waren wir so früh, dass wir den Platz quasi für uns hatten.



Cotopaxi Nationalpark
Der Cotopaxi ist wahrscheinlich einer der bekanntesten Vulkane Südamerikas. Mit 5897 m ist er der zweithöchste Berg Ecuadors und einer der höchsten aktiven Vulkane der Welt. Geführte Touren zum Gipfel gibt es genug, allerdings entschieden wir uns dafür, ihn von etwas weiter unten zu bestaunen. So fuhren wir Richtung Cotopaxi Nationalpark und machten im gleichen Atemzug auch Bekanntschaft mit den unter Fahrradfahrenden weltberühmten Kopfsteinpflasterstraßen Ecuadors… Wir zelteten bei einer Art Finca und nahmen am nächsten Morgen die letzten 30 Kilometer mit 1000 Höhenmetern auf schlechtem Schotter in Angriff. Es war zwar unfassbar windig, aber gleichzeitig konnten wir uns wirklich glücklich schätzen mit dem Wetter. Bis zum Sonnenuntergang hatten wir perfekte Sicht auf den Cotopaxi! Wir haben vorher von anderen Bikepackern gehört, die über mehrere Tage einmal um den Cotopaxi herumgefahren sind und so schlechtes Wetter hatten, dass sie den Vulkan kein einziges Mal gesehen haben…
Mitten im Cotopaxi Nationalpark gibt es einen Campingplatz, bei dem man für ein paar Dollar sein Zelt aufstellen kann. Am nächsten Tag wachten wir zu eisigen Temperaturen und dichtem Nebel auf und waren umso froher über das gute Wetter am Tag zuvor. Also eigentlich wachten wir zu was ganz anderem auf: Am Tag zuvor hatte Sebi ein kaputtes Handy am Straßenrand gefunden und wie schon in den USA nahmen wir das mit, um es wenigstens zum nächsten Mülleimer zu bringen. Die gab es in Ecuador allerdings nicht gerade wie Sand am Meer, und so steckte das halt noch in einer von Sebis Satteltaschen. Um 04 Uhr (!) morgens klingelte plötzlich ein Wecker direkt neben unserem Zelt. Es dauerte nicht lange, bis uns das „kaputte“ Handy einfiel – ausschalten ließ es sich aber leider nicht. Da wir nicht die einzigen waren, die dort oben zelteten, snoozte Sebi für eine Weile jeden Alarm, bis er die Schnauze voll hatte. Wasser brachte auch nichts, und am Ende wurde das Handy verbogen, bis es keinen Laut mehr von sich gab… Wir fuhren wieder bergab Richtung Hauptstraße, und gegen Mittag flitzten wir auf der Panamericana bergab bis nach Ambato.
Übrigens – durch Ecuador fahren war für mich nicht immer leicht. Als eine, die sich schon vor fast einem Jahrzehnt von jeglichen tierischen Nahrungsmitteln verabschiedet hat, ist der konstante Anblick von gehäuteten, aufgehängten, aufgespießten und zerstückelten Tieren wirklich nicht so angenehm. Kolumbien hat es mir teilweise schon schwer gemacht, aber Ecuador war glaub nochmal etwas schlimmer. Schweine und Hühner hingen mit Haken im Hals direkt am Straßenrand und Meerschweinchen waren gefühlt Hauptnahrungsmittel – das sah man nämlich wirklich überall direkt neben der Straße aufgespießt oder aufgeschnitten auf dem Grill… Auch Sebi fand es schnell nicht mehr so lustig.
Chimborazo
Nach einem Tag Pause in Ambato ging es für uns direkt wieder bergauf, Richtung Chimborazo! Mit 6263 Metern ist es der höchste Berg Ecuadors und durch seine Lage in Äquatornähe auch bekannt als „der Punkt der Erdoberfläche, der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt ist“. Kleiner Fun Fact: Der Gipfel des Chimborazo ist auch bekannt als der Punkt, von dem aus man der Sonne am nächsten ist – wobei sich die Distanz zwischen Sonne und Erde im Laufe des Jahres ändert und das deswegen nur um die Tagundnachtgleichen der Fall ist. Ursprünglich hatte ich mal überlegt, den Chimborazo auf einer geführten Tour in Angriff zu nehmen, aber als ich die Preise gesehen habe, haben wir die Idee dann doch wieder verworfen…
An dem Tag fuhren wir auf 4260 Meter bergauf – ein neuer Höhenrekord der Tour, der allerdings nur bis zum nächsten Vormittag halten sollte. Die letzten Kilometer waren nochmal richtig steil und auf sandigem Schotter. Aber dann kamen wir an einer Hütte an und mit dem kalten Wind waren wir froh, dass wir uns für ein Bett in der Hütte und gegen das Zelten draußen entschieden haben. Obwohl es wirklich bitterkalt war, verschwand Sebi noch für einige Zeit mit seiner Kamera draußen im Dunkeln und machte richtig schöne Fotos mit der Milchstraße über dem Chimborazo.




Der nächste Morgen war wie erwartet genau so frostig kalt wie der Abend. Auf der Schotterstraße zurück Richtung Hauptstraße trafen wir noch auf einen Mann, der sein Auto bergauf schob. Wir halfen ihm über den letzten Hügel und nachdem er sich bedankt hatte, rollte er mit seinem Wagen davon. Zurück auf der Hauptstraße ging es dann noch eine Weile bergauf, bis auf 4400 Meter! Mit super Sicht auf den Chimborazo und leider starkem Seiten- und Gegenwind begannen wir unsere Abfahrt. Überall am Straßenrand verkauften Locals handgemachte Dinge und stellten ihre flauschigen Alpacas zur Schau. Ob die da den ganzen Tag stehen wollen…
Richtung Cuenca und ein Besuch der archäologischen Stätte Ingapirca
Mit den zwei Highlights Cotopaxi und Chimborazo hinter uns war unser nächstes Ziel die Stadt Cuenca. Über die folgenden Tage ging es viel bergauf und viel bergab das Höhenprofil war oft sehr anstrengend. Dafür fuhren wir oft über 3000 Meter und ab und zu über den Wolken, was so cool war! Immer wieder überraschte uns Ecuador mit einem derart heftigen Wind, dass ich tatsächlich nicht mehr weiß, ob der Wind in Patagonien 2024 wirklich stärker war. Da wurde ich zwar beim Fahren von der Straße gepustet, aber in Ecuador hat’s mir einfach das Vorderrad von meinem vollbeladenen Fahrrad hochgehoben, als würde es nichts wiegen…
Die letzten zwei Nächte vor Cuenca übernachteten wir wieder bei Feuerwehrstationen. Eine hatte eine riesige Mehrzweckhalle oben und wir mussten erst noch warten, bis das Kinder-Karate-Training vorbei war, die andere hatte sooo viele coole alte Feuerwehrautos, dass es schon fast einem Museum glich – nur, dass die alle noch in Gebrauch waren!





In Ingapirca besuchten wir noch eine archäologische Stätte – unsere erste Inkastätte auf dieser Tour! Es ist die größte Inkastätte, die bis jetzt in Ecuador entdeckt wurde, aber nicht so überbesucht wie so manch andere. Fast noch besser war, dass der Eintritt nur schlappe zwei US Dollar kostete… inklusive geführter Tour (auf Spanisch). Die Inkas waren unter anderem bekannt für ihre Mauern, dessen Steine sie mit so beeindruckender Präzision gefertigt haben, dass sie kein Mörtel brauchten. Das sieht nicht nur unfassbar cool aus, sondern hielt dadurch auch Erdbeben sehr gut stand. In Ingapirca konnten wir unter anderem den „Templo del Sol“ (Tempel der Sonne) bestaunen, dessen Wände mit genau der Technik erbaut wurden. Sehr beeindruckend!
Cuenca
In Cuenca blieben wir ein paar Tage bei einer super netten Familie, die Overlander bei sich im Hof parken lässt. Wir hatten ein gemütliches Zimmer, das sogar eine kleine Küchenecke hatte, und es gab eine sehr fluffige Katze! Neben dem üblichen Programm wie Blogschreiben, Wäschewaschen und Einkaufen genossen wir es auch, endlich mal wieder eine Auswahl an veganen Restaurants zu haben. Wir gingen bei Good Affinity Mittagessen – ein asiatisch angehauchtes Restaurant, bei dem man für weniger als vier Dollar ein komplettes Mittagsmenü bekommt. Die sogenannten „Menú del Dia“ sind weit verbreitet in Ecuador und Peru, und meistens beinhaltet es Getränk, Suppe, Hauptspeise und manchmal sogar Nachtisch zu einem unschlagbaren Preis. In Cuenca gab es außerdem eine Bäckerei mit veganen Zimtschnecken, Croissants und Schokocroissants – ganz eventuell haben wir Cuenca nach unseren Pausetagen mit etwa 20 Schokocroissants im Gepäck verlassen…



An einem Tag besuchten wir das Pumapungo Museum. Es liegt auf dem Gelände der ehemaligen Inka-Stadt Tomebamba und beherbergt eine große Sammlung an unter anderem traditioneller Kleidung und Zeremonialobjekten der indigenen Kulturen des Amazonasgebiets, der Anden und der Küste. Hauptsächlich bekannt ist es allerdings wegen der Ausstellung über und Sammlung von „Tsantsas“.
Tsantsas sind geschrumpfte Köpfe, die von indigenen Völkern im Amazonasgebiet hergestellt wurden. Töteten sie einen Feind, wurde der Schädel des Kopfes entfernt, die Haut gekocht, mit heißen Steinen und Sand geformt und die Lippen verschlossen. Übrig blieb dann nur noch ein kleiner, dunkler Kopf mit Haar… Die Praktik sollte einerseits dazu dienen, dass der (Rache-)Geist des Opfers den Mörder nicht verfolgen konnte, andererseits sollte es die Kraft des Getöteten auf den Krieger übertragen. In den 1960ern verbot Ecuador die Praktik, weil durch den begonnenen Handel Morde und Fälschungen in die Höhe stiegen. Seitdem darf die Praktik nur noch mit Faultierköpfen durchgeführt werden, was ich persönlich jetzt auch nicht besser finde. Schon faszinierend, was sich Menschen alles einfallen ließen (und lassen).


Ab an die Küste und nach Peru
Nach ein paar erholsamen Tagen in Cuenca waren wir wieder auf den Fahrrädern und uns trennten nur noch ein paar Fahrradtage von der Grenze mit Peru. Aus der Stadt heraus geht es noch bergauf, aber schnell fuhren wir ganz viel bergab – wir verließen die Anden! Für eine kurze Zeit zumindest. Die Vegetation änderte sich so schnell von kargen Bergen zu grünen Feldern. Plötzlich waren wir wieder umgeben von Palmen, Bananenplantagen, Papageien und GANZ VIEL KAKAO. Das erste Mal seit Ewigkeiten befanden wir uns wieder auf Meereshöhe, dadurch war es aber auch auf einmal wieder ziemlich heiß. Die Straße durch das Kakaogebiet war geteert und Anwohner trockneten ihre Kakaobohnen einfach direkt auf der Straße… Das wäre doch undenkbar bei uns, aber Sebi und mich wundert mittlerweile nicht mehr viel. Die Stadt Pasaje war Chaos pur und erinnerte mich irgendwie an Asien. Es wimmelte nur so von Tuktuks, irgendwo lief eine Herde Ziegen über die Straße, die ganze Zeit wurde irgendwo gehupt – das Fahren durch die Stadt fühlte sich wirklich an wie eine Mischung aus Autoscooter und Mario Kart.
Und dann waren wir plötzlich schon an der Grenze zu Peru! Leider hatten wir kein gutes Timing und kamen gleichzeitig mit einem vollen Reisebus an, wodurch wir relativ lange warten mussten. Immerhin waren Ein- und Ausreise in einem Gebäude, so dass uns das Ganze nicht zweimal bevorstand. 90 Tage bekamen wir für Peru – sportlich, aber machbar. Angeblich kann man auch nach 180 Tagen fragen, wenn man Glück hat, aber unsere zwei Beamtinnen waren schneller, als wir überhaupt reagieren konnten. An dem Tag fuhren wir noch bis Tumbes. Der Verkehr wurde wieder mal dominiert von Tuktuks, der Seitenstreifen leider von Müll…
Veröffentlicht am 31. Oktober 2026
Erlebt vom 30.07.2026 – 20.08.2026














Hallo zusammen,
wider ein wunderbarer Reisebericht eingetroffen.
Sebastian ich wünsche Dir gute Genesung von Deiner Zahnbehandlung !
Für eure Weiterreise wünsche ich Euch schöne Erlebnisse gutes Wetter und Viel Glück
Grossätti aus Ersigen
Liebe Lilith, lieber Sebi,
Vielen Dank für den wieder spannenden Bericht und die
herrlichen Fotos – besonders der gewaltigen Berge und der Milchstrasse !
Eure Höhenrekorde sind wirklich beeindruckend.
Wir wünschen weiterhin gute Fahrt und liebe Grüße aus Gönningen,
Eure Oma Ingrid und Opa Volker…
Wieder ä sooo coolä Bricht🥰 dankä🥰 Gueti Fahrt wyterhin
Dicks Drücki us em Ämmital