| 13 Fahrradtage | 801 km | 14.271 hm |
Unsere Route durch den Süden Kolumbiens
Für ein paar Tage fuhren wir im Tal des Río Magdalenas der Hauptstraße entlang Richtung Süden. Nach dem ganzen Bergauf- und vor allem Bergabfahren waren bei beiden unserer Fahrräder die Bremsen komplett abgenutzt und wir mussten mitten am Tag die Bremsbeläge tauschen, das konnte nicht einmal mehr bis abends warten. Das war glaub ich das erste Mal, dass ich meine Beläge wirklich komplett runtergefahren hatte! Etwas, was sonst eher Sebi schafft. Es war immer noch unangenehm heiß (wobei ich einfach froh war, nicht mehr zu frieren) und Sebi freute sich hauptsächlich darüber, dass der Aufpreis zu einem Zimmer mit Klimaanlage umgerechnet nur etwa 4€ war. Tagsüber hielten wir wann immer wir konnten im Schatten an und kühlten uns mit kalten Getränken und Eis ab.


Desierto de la Tatacoa
Nach einigen Tagen bogen wir von der Hauptstraße ab und fuhren auf einer schönen Schotterstraße Richtung Tatacoa-Wüste. In einem Tunnel hingen tausende Fledermäuse von der Decke! So in Ruhe und aus der Nähe hat keiner von uns die je beobachten können vorher, das war ziemlich cool. In dem kleinen Ort La Victoria gibt es ein wirklich sehr tolles Museum – das Museo de Historia Natural de la Tatacoa. In dem recht unscheinbar wirkenden Gebäude befindet sich die größte Fossiliensammlung Kolumbiens! So früh morgens waren wir die einzigen Gäste und unser Guide Ruben führte uns begeistert durch das Museum. Das Museum hatte er mit seinem Bruder zusammen gegründet und es war wirklich beeindruckend. Alle dort ausgestellten Dinge wurden auch tatsächlich in der Tatacoa-Region gefunden. Unter anderem zeigte er uns einen originalen Zahn vom Megalodon – einem ausgestorbenen Riesenhai, der Schätzungen zufolge bis zu 18 Meter lang werden konnte!





Die Tatacoa-Wüste selbst war super interessant und so schön! Außenrum war alles noch recht grün, wenn auch mit vielen Kakteen, und mittendrin lag die relativ überschaubare Wüste mit ihren markanten Formationen in allen erdenklichen Beige- und Rottönen. Schon recht spät, aber noch vor Sonnenuntergang liefen wir eine kleine Runde durch den wohl bekanntesten Teil der Wüste. Wie durch einen Irrgarten konnte man zwischen den erodierten Formationen hindurchlaufen. Auf dem Parkplatz davor trafen wir auf zwei reisende Familien aus den Niederlanden, was ganz lustig war: Das Auto der einen Familie hatten wir seit Mexiko schon dreimal gesehen, aber noch nie die Familie selbst angetroffen.



Immer Richtung Süden
Von der Tatacoa-Wüste ging es für uns immer weiter Richtung Süden Kolumbiens. Wir fuhren viel bergauf, und trotz dem, dass wir recht viel auf Hauptstraßen unterwegs waren, waren die Straßen angenehm ruhig und gut zum Fahren. Kolumbien scheint sehr stark an dem Ausbau seiner Straßen zu arbeiten, denn wir kamen oft an nagelneuen großen Kreiseln vorbei oder fuhren auf neuen Umfahrungsstraßen, die auf unseren Fahrradcomputern noch gar nicht eingezeichnet waren. Immer wieder sahen wir den Río Magdalena, der sich durch das Tal schlängelt – in dem gibt es wohl sogar Seekühe und Schildkröten!


Eine Nacht zelteten wir bei einer älteren Frau im Garten, die gegen einen kleinen Betrag Reisende bei sich übernachten lässt. Das muss einer der schönsten Gärten gewesen sein, die Sebi und ich je gesehen haben! Der Garten ähnelte einem riesigen Labyrinth, denn überall wuchsen Obstbäume und -sträucher – aber was für welche! Mandarinen, Orangen, Zitronen, Limetten, Trauben, Granatäpfel, Maracuja, Guanábana, Bananen, Kakao… Ein wahrer Traum. Wir durften pflücken, worauf wir Lust hatten und Sebi freute sich ganz besonders über die riesigen Maracuyas. Die nächste Nacht verbrachten wir in einem kleinen „Hostel“ bei einer ebenfalls sehr netten Besitzerin und genossen die erste heiße Dusche seit Bogotá – was mittlerweile über zehn Tage her war! Man gewöhnt sich zwar relativ schnell daran, dass heiße Duschen eher die Ausnahme sind – aber es tut einfach jedes Mal gut.



Trampolín de la Muerte
Nach einem Tag Pause in Mocoa fuhren wir endlich die weltberühmte „Trampolín de la Muerte“ – eine enge Schotterstraße durch die Berge Kolumbiens, die die zwei Orte Mocoa und San Francisco verbindet. Sie wurde in den 1930er Jahren für den Militärtransport in die teils fast senkrechten Felswände gebaut und ist mittlerweile eine wichtige Verbindungsstraße für die Menschen in der Region. Leitplanken gab es zwar schon, allerdings lange nicht durchgehend – und oft waren sie so fragwürdig installiert, dass sie wahrscheinlich eh nicht viel bringen würden. Dafür war an vielen Stellen gelbes Absperrband! An deren Sicherheitsqualitäten lässt sich allerdings auch zweifeln…
Uns kam die Straße gar nicht so gefährlich vor, wie der Name zunächst vermuten lässt. Zwar war die Straße oft sehr eng, aber da wir nicht so breit und zudem noch viel flexibler waren als Autos oder LKWs, kam uns der gelegentliche Verkehr nicht so schlimm vor. Ab und zu ging es durch flache Bachläufe und die fast senkrechten Bergwände waren gesäumt von Wasserfällen. Da wir die Straße bergauf und nicht bergab fuhren, brauchten wir fast drei Tage, bis wir in San Francisco ankamen. Auf den ungefähr 75 Kilometern mussten wir nämlich etwa 3000 Höhenmeter bewältigen! 1000 Höhenmeter davon sogar in nur drei Kilometern Luftlinie – die Straße verlief allerdings so sehr im Zickzack, dass unsere zurückgelegte Strecke eher 15 Kilometer betrug.





Die Aussicht war durchgehend wahnsinnig schön und wir hatten wirklich Glück mit dem Wetter. In strömendem Regen wäre das bestimmt nochmal was anderes gewesen! Am dritten Tag und gegen Ende der Schotterstraße kamen wir überraschend an einem Páramo vorbei. Das Wetter hatte sich etwas gedreht und da es regnerisch war, sahen wir sogar endlich mal ein Páramo im Nebel – das hat schon noch mal eine ganze andere Stimmung als bei Sonnenschein! Nebel und Regen kombiniert mit der Höhe resultierten allerdings in ziemlich ungemütlichem Wetter und ich muss glaub ich nicht groß erklären, dass uns auf der folgenden Abfahrt relativ kalt war.



Ipiales – an der Grenze zu Ecuador
Zurück auf befestigten Straßen fuhren wir zwei weitere Tage durch die Berge, bis wir in Ipiales ankamen, einer wohl nicht ganz so sicheren Stadt direkt an der Grenze zu Ecuador. Auf dem Weg dorthin wollten wir eigentlich noch das „Santuario de las Lajas“ besuchen – eine ziemlich beeindruckende Kirche, die in die Wand einer Schlucht gebaut wurde. Leider war das Wetter so miserabel und uns so kalt, dass es uns der kleine Umweg nicht wert war und wir lieber auf direktem Weg nach Ipiales fuhren. In Ipiales angekommen, gingen wir einkaufen und hatten geplant, anschließend bei einem kleinen privaten Campingplatz zu übernachten. Allerdings waren Sebis Lippen schon bläulich-lila vor Kälte, als er aus dem Supermarkt kam und wir entschieden uns stattdessen kurzerhand für ein Hotel mit heißer Dusche. Hier blieben wir dann spontan zwei Nächte, bevor wir uns auf den Weg nach Ecuador machten.


Veröffentlicht am 26. September 2026
Erlebt vom 15.07.2026 – 29.07.2026

Dankä für dä wie immer spannend Bricht u die tollä Föteli🥰 dicks Drücki Gretlä
Hallo Zäme
Ja danke für die tollen Bilder. Sehr schöne Landschaften. Geile Pflanzen.
Aber mal eine Frage: wie geht es euren Ärschen? Ich würde glaube Hornhaut bekommen…. Oder würde mir ein Sattel aus einem Sofasessel basteln. Über ein Jahr immer auf Velotour WOW……
Alles gute euch beiden und noch viel Spass.
Gruess Ivo
Liebe Lilith, lieber Sebi,
erst einmal herzliche Glückwünsche dem lieben Sebi zum Geburtstag und weiterhin eine wunderschöne gemeinsame Zeit.
Eure Berichte werden immer spannender und die Berge, die ihr bewältigen müsst, immer extremer.
Aber die Landschaften sind ja wohl unvergesslich schön. Der Blick in die Wüste: unglaublich faszinierend!
Euch beiden immer kräftige Waden und Freude an jedem neuen erlebnisreichen Tag.
Alles Gute!
Oma Ingrid und Opa Volker