| 2 Tage | 17,1 km | 1480 hm |
Schon lange, bevor wir in Guatemala ankamen, hatten wir uns vorgenommen, die bekannte Wanderung auf den Vulkan Acatenango zu machen. Der inaktive Acatenango bietet die perfekte Aussichtsplattform für den aktiven Zwillingsvulkan Fuego, der sehr regelmäßig und häufig ausbricht. Etwas unterhalb des Gipfels des Acatenangos haben sich zahlreiche Tourunternehmen ihre Basecamps gebaut und führen tagtäglich viele hunderte bis tausende Touristen dorthin. Da wir fast alles an Ausrüstung selbst hatten, und geführte Wanderungen eh nicht so unser Ding sind, beschlossen wir, die Wanderung auf eigene Faust zu machen.
Bus fahren in Guatemala
Unsere Fahrräder waren sicher bei einem Campingplatz verstaut und wir fuhren mit einem Nachtbus nach Guatemala-Stadt. Viel zu früh morgens und mit viel zu wenig Schlaf kamen wir an und verbrachten noch ein paar Stunden im Busterminal, bevor wir bei einem veganen Restaurant frühstücken gingen. Das Terminal für die lokalen Busse fanden wir zum Glück problemlos und schnell saßen wir in einem Bus, der uns nach Antigua bringen würde. Das lokale Bussystem bestand aus ausgemusterten, amerikanischen Schulbussen. Außen waren alle richtig fancy lackiert und verkleidet, jeder Bus war ein Unikat, innen sah es dafür ganz anders aus. Die meisten Sitzpolster waren irgendwo kaputt, und Sicherheitsgurte waren generell gar nicht vorhanden. In jedem Bus fuhr neben dem Fahrer noch eine weitere Person mit, die die ganze Zeit während der Fahrt durch die offene Türe rief, wo der Bus hin fährt und irgendwann durch die Reihen lief zum Abkassieren. Wir waren die ganze Fahrt sehr fasziniert von allem.


In Antigua verbrachten wir eine Nacht in einem wunderschönen Hostel. Wir mussten noch ein paar Dinge organisieren, unter anderem Bargeld abheben und ein paar Ausrüstungsgegenstände leihen. Unsere Rucksäcke waren nicht groß genug, außerdem wollten wir unsere Fahrradschuhe nicht auf dem Vulkanstein kaputt laufen und brauchten noch Wanderstöcke. Antigua ist bekannt für die vielen Ruinen mitten in der Stadt. Nach einem schweren Erdbeben Ende des 18. Jahrhunderts waren so viele Gebäude zerstört, dass sie ihren Status als Hauptstadt verlor und diese nach Guatemala-Stadt verlegt wurde. Während unserer kurzen Zeit in Antigua besuchten wir die Ruinen einer Kathedrale und die eines Klosters. Mir hat die Kathedrale ohne das Dach richtig gut gefallen, es war einfach so schön hell überall! Später machten wir uns mit dem lokalen Bussystem auf dem Weg zum Trailhead. Dort übernachteten wir bei einem kleinen Campingplatz, um am nächsten Morgen wirklich ganz früh starten zu können.





Acatenango Aufstieg
Wir standen früh auf und waren irgendwie froh, zur Abwechslung mal kein Fahrrad packen zu müssen. Es ging direkt steil bergauf und wir waren beide froh um unsere Wanderstöcke. Wir waren so früh, dass wir den Weg fast für uns alleine hatten, denn die ganzen geführten Gruppen würden erst einige Stunden später starten. Am späten Vormittag machten wir Pause und waren schon fast oben! Den Rest des Weges konnten wir den Vulkan Fuego ausbrechen hören, aber es war so nebelig, dass wir ihn noch eine Weile lang nicht sehen konnten. Oben angekommen, stolperten durch das Chaos aus Basecamps und fanden einen Anbieter, der uns auf seiner Plattform zelten ließ. Es war alles so steil am Berg und mit so wenig Platz, dass wir nicht einfach irgendwo unser Zelt aufschlagen konnten.



Gegen späten Nachmittag verzogen sich die Wolken und wir hatten eine Wahnsinnsaussicht auf den Vulkan. Er brach so regelmäßig aus, dass wir bestimmt nie länger als eine Viertelstunde warten mussten. Je dunkler es wurde, desto beeindruckender sahen die Eruptionen aus. Sebi machte ganz viele Fotos. Es war windig und sehr kalt, immerhin waren wir auf über 3600 Metern! Wir verkrochen uns ins Zelt und in unsere Schlafsäcke und beobachteten den Vulkan von dort aus.


Sonnenaufgang auf dem Vulkangipfel
Um 02:45 Uhr klingelte unser Wecker. So früh bin ich glaub noch an keinem meiner Geburtstage aufgestanden! Die Nacht über waren wir ein paar Mal aufgewacht, weil der Fuego so krass laut ausgebrochen ist. Es klang manchmal wirklich so, wie ein Gewitter, was direkt über einem ist. Wir packten unsere Sachen zusammen und machten uns an den letzten Anstieg bis zum Gipfel. Es ging unglaublich steil bergauf, gefühlt schon fast senkrecht, auf Vulkangeröll, und wir waren so froh um unsere Wanderstöcke. Nach etwa einer Stunde waren wir oben – auf 3976 Metern. Von einem halbwegs windgeschützten Platz aus beobachteten wir den Vulkan, bis es hell wurde. Bestimmt eineinhalb Stunden, so wunderschön! Trotz warmen Sachen war uns ziemlich kalt und wir machten uns an den Abstieg, der ebenso mühsam war wie der Aufstieg.



Unten angekommen, mussten wir nicht lange warten, bis der erste Bus durch fuhr und am Mittag waren wir schon wieder zurück in Antigua. Abends trafen wir uns noch mit Ethan und Lani, die wir in Belize kennengelernt hatten, und die kurz nach uns in Antigua angekommen waren.
Kakao Workshop in Antigua
Kakao ist ein wichtiger Bestandteil der mesoamerikanischen Kultur und spielte schon bei den Maya und Azteken eine zentrale Rolle. Schon in Mexiko-Stadt hatten wir ein Museum über die Herkunft und Bedeutung des Kakaos in Mexiko und Zentralamerika besucht und fanden das richtig spannend. In Antigua gab es ein ähnliches Museum und wir hatten uns für den Tag nach meinem Geburtstag für einen Workshop angemeldet. Der war wirklich spannend! Wir durften den Kakao selbst verarbeiten und bei jedem Schritt probieren. Von der rohen Kakaobohne bis zur Kakaopaste. Uns wurde gezeigt, wie man die bedeutendsten Getränke herstellt, unter anderem den Kakao-Tee, den ich bereits in Belize für mich entdeckt hatte. Außerdem lernten wir, dass Schokolade, wie wir sie kennen, erst viel später von den Europäern „erfunden“ wurde, da ihnen der reine Kakao zu bitter war. Kleiner Fun Fact für alle, die Mücken genauso wenig mögen wie wir: Tatsächlich werden Kakaoblüten von Mücken bestäubt! Danach verbrachten wir noch ein paar Stunden in Antigua, bevor wir zurück nach Guatemala-Stadt fuhren.




Mit einem Nachtbus ging es für uns von Guatemala-Stadt wieder zurück zu dem Camping, bei dem wir unsere Fahrräder gelassen hatten. Wir waren beide so kaputt von der Fahrt (Sebi lässt anmerken, dass er quasi gar nicht schlafen konnte), und hatten so unfassbar starken Muskelkater, dass wir beim Camping noch einen Tag Pause einlegten, bevor wir weiterfuhren.
Veröffentlicht am 11. Juli 2026
Erlebt vom 13.04.2026 – 19.04.2026

Hey ihr Lieben
Über den Vulkan haben wir ja schon ein paar mal zusammen geplaudert. Wunderschöne Bilder, ich schaue sie mir immer wieder gerne an🥰
Den Kakaokurs hätte ich auch besucht. Sehr interessant und lehrreich, und doch der Beweis, dass wir hier in Europa alles viel zu süss verarbeiten.
Danke vielmal, für den Bericht. Ihr habt recht, ein Genuss ihn im Schatten der Bäume zu lesen.
Machts gut ihr zwei.
Liebi Grüessli vo daheim☀️
Es muss faszinierend sein, einen aktiven Vulkan so aus der Nähe zu sehen- klasse!
Ist es überhaupt möglich, in so schief stehendem Zelt zu schlafen.
Vielen Dank für die immer so wunderschönen Berichte! Alles Gute weiterhin!
Oma und Opa in Gönningen!